Zauberwort TeilzahlungSwiss-Kunden können Tickets auf Pump kaufen
Bei der Swiss können Kunden Tickets neu auf Rechnung beziehen. Dabei gibts auch eine Teilzahlungsoption. Kritiker sprechen von «exorbitant hohen Kreditzinsen».
In der Schweiz kann man fast alles auf Pump beziehen: das Auto, das Sofa, das Smartphone. Die neuste Kategorie: das Flugticket. Die Swiss hat für Kunden aus der Schweiz vor wenigen Tagen den Kauf auf Rechnung eingeführt. «Mit der neuen Zahlungsmöglichkeit bieten wir eine weitere attraktive, gebührenfreie Möglichkeit, ein Flugticket zu kaufen und die Rechnung bis spätestens 14 Tage danach zu begleichen», heisst es bei der Airline. Zudem biete der Provider auf Wunsch die Flexibilität, einen allfälligen Restbetrag in Raten zu bezahlen. Dabei gehen Kunden aber einen Vertrag mit der St. Galler Firma MF Group ein, die ihr Geld mit Zahlungsabwicklung verdient. Der entsprechende Dienst nennt sich Powerpay.
Dass die Variante mit der Rechnung nichts kostet, ist richtig, sofern das Flugticket innert der Frist vollständig bezahlt wird. Kunden haben allerdings auch die Option, das Ticket in maximal drei aufeinanderfolgenden Monatsraten gestückelt zu bezahlen. Für letzteres wird man aber spätestens ab der zweiten Rechnung zusätzlich zur Kasse gebeten. Powerpay verlangt laut Allgemeinen Geschäftsbedingungen einen Jahreszins für Teilzahlungen und Verzug von 12 Prozent. Dabei handelt es sich um den maximal erlaubten Zinssatz gemäss Schweizer Konsumkreditgesetz. Reisende können auch abfliegen, sofern noch nicht der ganze Rechnungsbetrag beglichen wurde.
«Swiss will neue Kunden anlocken»
«Grundsätzlich ist es fragwürdig, dass Flüge in Raten bezahlt werden können – auch weil die Flugpreise in der Regel tief sind», sagt Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz, zu 20 Minuten. Und weiter: «Es liegt auf der Hand, dass die Swiss mit diesem Angebot Leuten das Fliegen schmackhaft machen will, welche aus finanziellen Nöten ansonsten darauf verzichten würden.» Die Swiss ihrerseits argumentiert: Man überlasse den Kunden die Entscheidung welche Services und Vorteile sie bei Nutzung von Zahlungsmitteln in Anspruch nehmen möchten.
Kritik von den Konsumentenschützern kommt auch betreffend Zahlungskonditionen: «12 Prozent für einen solchen Teilzahlungskredit sind exorbitant hoch im anhaltenden Null-Prozent-Zinsumfeld», sagt Stalder. Die Reisewilligen würden mit dieser neuen, auf den ersten Blick flexiblen Kaufmöglichkeit angelockt. Die Swiss kontert, es handle sich um den landesüblichen Satz von 12 Prozent Jahreszins, was im Einklang mit dem Konsumkreditgesetz sei.
Grundsätzlich raten sowohl Konsumentenschützer als auch Schuldenberater bei nicht zwingend notwendigen Anschaffungen von einer Finanzierung in Raten oder mittels Kleinkredit ab, da diese Anschaffungen im Endeffekt teurer zu stehen kommen.
Inkasso-Firma darf auf Facebook recherchieren
Die Swiss verweist darauf, dass vor dem Ticketkauf auf Rechnung die Kreditwürdigkeit der Kunden geprüft werde. Im Rahmen dieser Prüfung stimmen Kunden laut dem Kleingedruckten beispielsweise zu, dass Powerpay sowohl für die Option Kauf auf Rechnung als auch für die Teilzahlung beim Arbeitgeber Fragen zu Bonität stellen darf. Zudem bedingt sich Powerpay explizit aus, Recherchen zu Person in sozialen Netzwerken zu unternehmen. Vermutlich werde ein Teil der Fluggäste, die per Rechnung einen Flug kaufen, nicht merken, dass sie einen derartige Klauseln enthaltenden Vertrag mit einem Kredit-Inkasso-Institut abgeschlossen haben, sagt Konsumentenschützerin Sara Stalder.