BezahlappsTwint und Paymit schliessen sich zusammen
Die fünf grössten Banken sowie Coop, Migros und Swisscom haben sich auf eine Lösung für ein Schweizer Mobile-Payment-System verständigt. Beim Namen durchgesetzt hat sich Twint.
Die Anbieter der Bezahl-Apps Twint und Paymit sind sich einig geworden: In einer Medienmitteilung geben sie bekannt, dass die Sondierungsgespräche bezüglich einer gemeinsamen Lösung für digitale Zahlungsverkehrsleistungen in der Schweiz erfolgreich abgeschlossen wurden.
Eine Fusion steht also unmittelbar bevor und soll bis im Herbst 2016 abgeschlossen werden. Nutzer und Händler von Paymit und Twint können die zwei Systeme bis zur Migration auf die neue Plattform wie gewohnt einsetzen.
Die Weiterentwicklung und der Betrieb werden in Zukunft an ein eigenes Unternehmen übertragen, an dem die fünf grössten Banken Credit Suisse, PostFinance, Raiffeisen, UBS und ZKB sowie die Finanzdienstleisterin SIX beteiligt sein werden. Es wird von Jürg Weber präsidiert und von Thierry Kneissler als CEO geleitet werden. Kneissler ist derzeit Chef von Twint.
Das neue System tritt wird unter der Marke Twint auftreten. Aus Perspektive der Kunden setzt sich der Name der Postfinance-Tochter also durch. Die Marke Paymit wird verschwinden.
Offene Plattform
Die gemeinsame Plattform soll dereinst allen Konsumenten sowie sämtlichen Händlern offen stehen, heisst es in der Medienmitteilung weiter. Sie werde kanalübergreifend an der Ladenkasse, in Online-Shops, in Apps, an Automaten sowie zwischen Personen einsetzbar sein. «Wir arbeiten nun mit Hochdruck daran, die beiden Systeme zu migrieren und die gemeinsame Plattform allen Händlern und Endkunden im Laufe des Herbstes 2016 verfügbar zu machen», so CEO Kneissler.
«Wir sind sehr erfreut, dass wir nun eine Lösung haben, die technologisch innovativ ist und bei der wir die unterschiedlichen Funktionalitäten von Paymit und Twint zu Gunsten der Kundinnen und Kunden verbinden konnten», ergänzt Alexandre Zeller, Präsident des Verwaltungsrates von SIX.
Die Umsetzung der gemeinsamen neuen Mobile-Payment-Lösung unter dem Namen Twint bedarf noch der Zustimmung Wettbewerbsbehörde.
Verzicht auf «Payment War»
Die grossen Schweizer Anbieter wollen offenbar auf einen Kampf um die Marktführerschaft und einen «Payment War» verzichten. Noch vor wenigen Wochen hatte Fintech-Investor und Usgang.ch-Gründer Marc P. Bernegger auf Twitter in Bezug auf den baldigen Markteintritt von Apple Pay einen solchen heraufbeschworen.
Zu 20 Minuten sagte er damals: «Statt sich gegenseitig zu bekämpfen, sollten sich die Schweizer Anbieter Twint und Paymit auf einen gemeinsamen Standard einigen, bevor Apple und Google definitiv in die Schweiz kommen.» So könnten sie ihre Position im Kampf gegen die internationalen Anbieter stärken. Diesem Ratschlag leisten die Schweizer Payment-Firmen nun Folge, da der Gang des amerikanischen Mobile-Payment-Diensts Apple Pay wohl unmittelbar bevorsteht. Denn Ende Februar wurde die Marke Apple Pay durch den Konzern aus Cupertino hierzulande registriert und aktiviert.