OC OerlikonWird Viktor Vekselberg die OC Oerlikon retten?
Viel Zeit hat OC Oerlikon nicht mehr. Das Unternehmen braucht 2 Milliarden Franken. Weil die Verhandlungen mit den Banken nicht vorankommen, hat das Unternehmen am Dienstag überraschend einen Sanierungsplan veröffentlicht und den Markt verärgert. Jetzt ist Viktor Vekselberg gefragt.
Die Börse reagierte empört über das Vorpreschen von OC Oerlikon. Am Dienstag verloren die Aktien 27 Prozent und am Mittwoch betrug der Abschlag erneut 12,6 Prozent und der Titel kostete noch 36.31 Franken. Das Tagestief lag sogar leicht unter 30 Franken. Seit Ende September haben die Titel von OC Oerlikon mehr als die Hälfte des Wertes verloren (minus 56 Prozent). Das Unternehmen steht vor einer Herkules-Aufgabe: Einerseits müssen Kredite über 2 Milliarden refinanziert werden, auf der anderen Seite muss der «Gemischtwarenladen» neu ausgerichtet werden.
Unglaubwürdige Begründung für Informationsleck
OC Oerlikon macht für die überraschende Medienmitteilung ein internes Informationsleck verantwortlich, das zu sofortigem Handeln gezwungen habe. Unter diesen Umständen hätte die Börse SIX Swiss Exchange den Handel mit OC-Aktien eigentlich aussetzen müssen – was sie nicht tat. In der Mitteilung hiess es, der Konzern habe den Banken bereits am 25. November ein Restrukturierungsvorschlag unterbreitet, der die Stundung von Krediten, verringerte Zinssätze und die Umwandlung von Schulden in Kapitalbeteiligungen vorsieht. Danach soll eine Kapitalerhöhung neue Mittel bringen. Geleitet wird das Schuldnersyndikat von der angeschlagenen US-Bank Citigroup. Helvea-Analyst Reto Amstalden vermutet, die Verhandlungen zwischen Banken und OC Oerlikon seien zum Stillstand gekommen und sollten mit der Veröffentlichung von Verhandlungsdetails wieder in Gang gebracht werden. Der Kurssturz von gestern hat die erwartete Verwässerung des Aktienkurses – zumindest zu einem Teil – vorweggenommen. Wenn dies die Absicht war, hätte sich OC auf dem Buckel der Publikumsaktionäre für Grossinvestoren «schön» respektive günstig gemacht.
Abschreibung auf Hoffnungsprojekt
In der Medienmitteilung überrascht auch die Tatsache, dass der OC-Bereich Balzers Coating (Beschichtungen), für den es Interessenten gibt, nicht verkauft werden soll und der Hoffnungsbereich Solar einen Abschreiber von 50 Millionen Franken vornehmen muss. Als «enttäuschend» wertet ZKB-Analyst Armin Rechberger den Abschreiber bei Solar, welcher den raschen technologischen Wandel der Branche mit entsprechenden Risiken aufzeige. Aus Sicht der Bank Vontobel bedeuten die Vorschläge des Industrieunternehmens, dass die Probleme weiterhin nicht gelöst werden. «Das Unternehmen hat keine Strategie vorgelegt», schreibt Analyst Michael Foeth. Vom Extremszenario Konkurs sprechen erst Wenige hinter vorgehaltener Hand.
Wie viel Bares hat der Russe noch
Armin Rechberger von der ZKB wertet als positiv, dass Viktor Vekselbergs Grossaktionärin Renova im Fall einer Kapitalerhöhung, die vom Markt nicht gewollten Aktien übernehmen würde. Die Gesellschaft des russischen Oligarchen hält 45 Prozent an Oerlikon. Es gibt jedoch lediglich eine Absichtserklärung von Renova. Auch die finanzielle Potenz von Vekselberg wirft Fragen auf. Zwar wird der Russe von der Zeitschrift «Bilanz» mit einem Vermögen von 8 bis 9 Milliarden Franken als fünftreichster «Schweizer» geführt. Vekselberg musste jedoch 2009 gemäss der Fachzeitschrift einen Vermögensverlust von 3 Milliarden hinnehmen. Bereits im Vorjahr verzeichnete er einen Verlust in gleicher Höhe.