Bund warntZu viel Silber macht krank und blau
Silberwasser ist schädlich. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) warnt ausdrücklich vor einem Gerät, das Trinkwasser mit Silber versetzt. Eine Person ist bereits erkrankt, wie ein aktueller Fall zeigt.

Der US-Amerikaner Paul Karason wurde als «blauer Mann» bekannt. Seit gut 14 Jahren trinkt er wegen einer Erkrankung Silberwasser und leidet daher an Argyrie.
Dem Edelmetall Silber werden zahlreiche Heilwirkungen nachgesagt. Es soll antimikrobiell wirken, sogar gut gegen verschiedene Krebsformen sein und zu einem sehr langen Leben verhelfen. Immer wieder versuchen findige Unternehmer daraus Kapital zu schlagen – und fast immer auf Kosten der Patienten. Denn Silber kann zu ernsthaften Vergiftungen führen, wie ein aktueller Fall zeigt.
Ein Gerät mit den Namen «Pocket Silver», das im Fachhandel und über verschiedene Internet-Shops bezogen werden kann, ist für das Bundesamt für Gesundheit (BAG) alles andere als gesund. Dem BAG wurde gemeldet, dass eine Person an Argyrie («Silbervergiftung») erkrankt sei. «Der Patient hatte während längerer Zeit zweimal täglich Wasser getrunken, das er mit Hilfe von ‹Pocket Silver› mit Silber angereichert hatte», sagt Sabina Helfer vom BAG gegenüber 20 Minuten Online. Durch die hohe Silberzufuhr sei es beim Patienten zu einer bleibenden blaugrauen Verfärbung der Haut gekommen. Das BAG rät in einer am Montag veröffentlichten Mitteilung ausdrücklich von einer Verwendung des Geräts ab.
20 Minuten Online weiss, dass es sich dabei um einen Krebspatienten handelt, der sich dadurch Heilung versprach. Genau diese Heilsversprechungen von dubiosen Firmen sind jedoch mehr als fraglich. Cornelia Reichert, Oberärztin beim Schweizerischen Toxikologischen Informationszentrum, sagt: «Ich kenne keine wissenschaftliche Studie, die belegt, dass der Konsum von Silber gesundheitsfördernd ist.»
Keine Ahnung von Verbot
In der Schweiz erhältlich ist das 350 Franken teure Gerät unter anderem auf silverlife.ch. Dort meldet sich Friedrich Schöb. Er sagt gegenüber 20 Minuten Online: «Ich weiss nichts von einem Verbot.» Das Geschäft laufe ohnehin nicht sonderlich gut. Warum «Pocket Silver» aber gleich eine ganze Webseite gewidmet ist, auf der seine Telefonnummer zu finden ist, kann er nicht sagen.
Ebenfalls auf der Webseite darf Lyoness werben. Hinter Lyoness verbirgt sich ein schwer durchschaubares Geschäftsmodell. Mitglieder können sich mit erzielten Rabatten auf Einkäufen «Einheiten» gutschreiben lassen, um weitere Prämien zu erreichen. Das Schneeballsystem hat bereits die Justiz beschäftigt und ist alles andere als vertrauenswürdig.
Ferien in Thailand
Die Geräte hat Vertreter Schöb von einer Firma namens Intermeba bezogen, wie er sagt. Die Aktiengesellschaft wurde gemäss Basler Handelsregisteramt von einem gewissen Markus Burkhalter 2002 gegründet und am 14. Februar 2013 infolge Geschäftsaufgabe gelöscht. Eine Spur führt nach Liechtenstein – genauer nach Triesenberg. Dort ist der rechtliche Sitz von Intermeba und dort soll die Firma noch aktiv sein. Verwaltet wird sie vom kleinen Treuhandbüro Treufid Trust.
Auf Anfrage von 20 Minuten Online sagt Luzia Büchel, die als einzige bei Treufid Trust aufgeführt ist, sie sei bereits von den liechtensteinischen Behörden kontaktiert worden. Man habe den Verkauf gestoppt.
Und wo ist Markus Burkhalter? Er befinde sich zurzeit in Thailand. Ohnehin, fährt die Treuhändlerin fort, sei dem Geschäft mit «Pocket Silver» kein Erfolg beschert gewesen – 2012 seien lediglich zwischen 40 und 60 Geräte verkauft worden. Sie geht davon aus, dass es die Firma nicht mehr lange gibt.
hronische Oberbauch-Schmerzen und zentralnervöse Erkrankungen wie Geschmacks- und Gangstörungen, Schwindel- oder Krampfanfälle beschrieben. (sza)