Dr. MuscleFettpolster gezielt abbauen – geht das?
Dr. Marco Toigo erklärt, warum an einigen Stellen das Fett einfach nicht schmelzen will.

Warum halten sich bestimmte Fettdepots hartnäckiger als andere?
Eine Wunschvorstellung vieler ist, dass das Absolvieren von spezifischen Übungen für Bauch, Beine oder Po die Fettpolster an diesen Stellen schwinden lässt. Ich muss Sie desillusionieren – es wird beim Wunschdenken bleiben. Vielleicht wissen Sie aber aus eigener Erfahrung, dass sich bestimmte Fettdepots hartnäckiger halten als andere. Warum?
Unsere Fettzellen sind sowohl fettabbaufördernden wie auch -hemmenden Signalen ausgesetzt. Diese Signale können aber nur eine entsprechende Wirkung entfalten, wenn sie sich an die passenden Rezeptoren binden, die sich auf der Oberfläche der Fettzellen befinden, ganz nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip: Ein bestimmter Schlüssel (z. B. der fettabbaufördernde Signalstoff) passt nur zu einem bestimmten Schloss (dem spezifischen Rezeptor für diesen Signalstoff).
Ob die Fettzellen das Fett zur Verbrennung freigeben, hängt also von der Anzahl und Art sowohl der Signale (Schlüssel) wie auch der Rezeptoren (Schlösser) ab. Die Verteilung von fettabbaufördernden und -hemmenden Rezeptoren kann je nach Geschlecht und Körperstelle unterschiedlich sein. So weisen die Fettzellen in der Bauchregion beim Mann relativ zu anderen Fettdepots mehr fettabbauhemmende Rezeptoren auf. Bei der Frau betrifft dies die Fettzellen in den Regionen Hüfte, Gesäss, und Oberschenkel. Es ist noch wenig bis nichts darüber bekannt, wie diese Unterschiede zustande kommen und wie die Rezeptorverteilung reguliert wird.
Bis auf Weiteres sollten Sie sich daher, wenn Sie Fett abbauen wollen, darauf konzentrieren, dass Sie durch die Kombination von Training und Ernährung regelmässig fettabbaufördernde Signale im Körper auslösen und fettabbauhemmende Signale meiden. Irgendwann schrumpfen auch die hartnäckigsten Stellen ... hoffentlich. Steter Tropfen höhlt den Stein!

Dr. sc. nat. Marco Toigo befasst sich im Rahmen seiner universitären Forschungsarbeit im Labor für Muskelplastizität der Uniklinik Balgrist mit den Mechanismen des Muskelaufbaus und -abbaus. Nebst seiner Forschungstätigkeit ist er als ETH-Hochschuldozent fur Muskel- und Sportphysiologie sowie als Buchautor tätig. Er verfügt zudem über jahrelange Erfahrung in der Ausbildung von Fitnesstrainern und der Instruktion und Betreuung von Trainierenden.