«Die Frage ist, wo sich die Blutung befindet»

Aktualisiert

Hirnblutung«Die Frage ist, wo sich die Blutung befindet»

Im Innsbrucker Unispital diagnostizierten die Ärzte bei Daniel Albrecht ein Schädel-Hirn-Trauma und eine Hirnblutung. 20 Minuten Online sprach mit Prof. Daniel Rüfenacht, Neuroradiologe an der Klinik in Hirslanden, über die Bedeutung dieser Diagnose und den Sinn eines künstlichen Komas.

Runa Reinecke
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Runa Reinecke

20 Minuten Online:

Herr Professor Rüfenacht, was passiert bei einem Schädel-Hirn-Trauma?

Daniel Rüfenacht:

Kommt es durch äussere Einwirkung zu einer Hirnschwellung, benötigt das Hirn zusätzlich Platz. Das Problem: Das Gehirn befindet sich – umgeben von Schädelknochen – in einer geschlossenen Schale und hat somit nur beschränkt Raum. Hinzu kommt, dass eine Hirnblutung ebenfalls Raum beansprucht, was wiederum den Druck im Inneren des Schädels weiter erhöhen kann.

Wie lässt sich ein Schädel-Hirn-Trauma diagnostizieren?

Zum einen helfen bildgebende Verfahren wie Kernspin oder CT, eine Hirnschwellung oder Blutung zu lokalisieren. Der Hirndruck lässt sich nur über eine Sonde kontrollieren.

Auch bei Daniel Albrecht wurde eine Sonde angebracht. Wie muss man sich das genau vorstellen?

Hierzu wird ein kleines Loch in den Schädel gebohrt. Danach führt der Mediziner eine kurze Sonde durch den Schädelknochen ein, um die Druckverhältnisse im Schädel überwachen zu können.

Wie Swissski berichtet, wurde der Skisportler in ein künstliches Koma versetzt. Wozu ist das nötig?

Der Stoffwechsel des Gehirns wird dadurch verlangsamt und so geschützt. Auf der anderen Seite versucht man auf diese Art, vorhandene Schwellungen zu kontrollieren. Das sind schützende Massnahmen.

Laut aktuellen Meldungen ist Albrecht ausser Lebensgefahr. Welche bleibenden Schäden kann man unter Umständen durch ein Schädel-Hirn-Trauma davontragen?

Je nachdem, wo sich eine Schwellung oder Blutung befindet, kann es zu einem bleibenden Schaden und zum Ausfall von Hirnfunktionen kommen und so eventuell zu einem Handicap führen. Doch bei dem, was über den Fall Albrecht derzeit bekannt ist, muss zum jetzigen Zeitpunkt mit Voraussagen zugewartet werden.

Gehirnblutung:

Die Blutung hat - je nachdem wo sie zu lokalisieren ist – einen direkten Einfluss auf die betroffene Hirnregion: Das aus dem verletzten Gefäss austretende Blut dehnt sich aus und übt so zunehmend Druck auf die Hirnmasse aus.

Man unterscheidet zwischen…

Intrakraniellen, Intrazerebralen Blutung:

Sie findet im Gehirn statt und kann sich im betroffenen Hirnareal beeinträchtigend auf die Hirnfunktion auswirken. Je nach Ausmass der Blutung wird die Hirnmasse eingeengt oder sogar gequetscht.

Intrakranielle, extrazerebrale Blutungen:

Subarachnoidalblutung

Hier befindet sich die Blutung nicht im Gehirn selbst, sondern in der Spinnengewebshaut (Hirnhaut). Diese Art der Blutung äussert sich für den Betroffenen oft mit Symptomen wie Übelkeit oder starken Kopfschmerzen.

Epiduralblutung

Schädel-Hirn-Traumas. Hier muss zwischen einem arteriellen Epiduralhämatom (die innerhalb des Schädelknochens liegenden artiellen Gefässe sind verletzt) oder einem venösen Frakturhämatom (hierbei tritt das Blut aus einem Spalt des Schädels aus) unterschieden werden. Beim arteriellen Epiduralhämatom wird in der Regel sofort operiert, denn es besteht akute Lebensgefahr.

Subduralblutung

Hierbei handelt es sich um einen Bluterguss, der sich unter der harten Hirnhaut befindet. Um das betroffene Areal zu entlasten, muss der Schädel geöffnet werden. Dieser Eingriff endet in vielen Fällen tödlich.

(Quelle: Wikipedia)

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