«Eine Beziehung mit dem Täter ist absurd»

Aktualisiert

Neuer Fernseh-Auftritt«Eine Beziehung mit dem Täter ist absurd»

Natascha Kampusch gab dem ORF-Journalisten Christoph Feurstein ein Exklusiv-Interview. Sie hält daran fest, dass ein Einzeltäter hinter der Entführung steckt. Ein Kind habe sie nicht geboren.

kle/feb
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«Es ist eine enorme psychische Belastung»: Natascha Kampusch äussert sich auf dem TV-Sender ORF2 dazu, ob mehrere Täter hinter ihrer Entführung stecken (Video: ORF2).

«Es ist eine enorme psychische Belastung»: Natascha Kampusch äussert sich auf dem TV-Sender ORF2 dazu, ob mehrere Täter hinter ihrer Entführung stecken (Video: ORF2).

Nach der 20-Minuten-Online-Serie, die aufzeigte, dass es im Fall Kampusch zahlreiche Ungereimtheiten gibt, zeigt sich das Entführungsopfer jetzt persönlich im österreichischen Staatsfernsehen und nimmt Stellung. In der Sendung «Thema» wird sie dem Journalisten Christoph Feurstein zu den jüngsten Entwicklungen Auskunft geben. Im Zentrum des Interesses steht dabei insbesondere die Frage, ob hinter der Entführung ein oder mehrere Täter stehen.

Ob der Interviewer aber wirklich die kritischen Punkte anzusprechen wagt, ist mehr als fraglich. Feurstein machte bereits gestern in der ORF-Sendung «Im Zentrum» klar, dass er den derzeitigen Wirbel rund um Natascha Kampusch nicht nachvollziehen kann. Im Gespräch, das Kampusch mit ihm am Wochenende geführt hat und das heute ausgestrahlt wird, habe sie erwähnt, dass sie sich aufgrund der aktuellen Berichterstattung «erneut missbraucht» fühle.

Das Interview mit einem engen Vertrauten

Feurstein nahm in der «Zentrum»-Sendung gestern die Rolle eines Kampusch-Anwalts ein und erklärte den Zuschauern, dass sie «Opfer von Herrschaften» sei, «die immer wieder dieselben Spekulation wälzen». Dabei kritisierte er vor allem die Tageszeitungen, die «tagtäglich gefüllt mit Halbwahrheiten seien» und über die Causa schrieben.

Dass heute Abend wieder Christoph Feurstein als Mann zu sehen ist, der Kampusch die Fragen stellt, überrascht deshalb wenig. Der ORF-Journalist ist ein enger Vertrauter von Natascha Kampusch, führte bereits mehrere Interviews mit ihr und wurde dadurch berühmt. Inzwischen ist das Duo so eingespielt, dass der Journalist weiss, was er fragen darf und was nicht – zumal bekannt ist, dass Kampusch bestimmt, über welche Themen sie sprechen will und über welche «es keinen Sinn macht».

Gab es Mittäter?

Der Fragenkatalog für die Sendung dürfte sorgfältig vorbereitet, alle Fragen abgesprochen sein. Kampusch wird wohl kaum Licht ins Dunkel bringen und sich etwa zu Fragen bezüglich einer weiteren Täterschaft nicht äussern wollen. Doch gerade dies ist der wohl strittigste Punkt der gesamten Ermittlungen. Hier widersprechen sich das Opfer und eine Augenzeugin der Entführung massiv. Wird Kampusch trotz der von 20 Minuten Online offengelegten Widersprüche weiter an der Einzeltäter-Theorie festhalten? Oder stellt sie die Arbeit der Kriminalpolizei mittlerweile selber infrage?

Weitere offen Fragen, die wohl kaum beantwortet werden, sind: Warum widersprach sich Kampusch mehr als einmal? Warum nutzte sie mehrere Fluchtmöglichkeiten nicht? Warum wurde nach der Flucht so getan, als wäre sie jahrelang im Verlies gewesen, obwohl dies aktenkundig nicht so war? Bei all diesen Fragen geht es darum, endlich zu klären, ob Wolfgang Priklopil alleine gehandelt hat oder ob noch ein weiterer Täter frei herumläuft. Trotz allem Verständnis für den Schutz des Opfers werden deshalb in Österreich Rufe von Bürgern, Politikern und Kriminalisten immer lauter, die eine lückenlose Aufklärung fordern.

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