Der Tag der Entscheidung

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ReiseblogDer Tag der Entscheidung

Es ist geschafft: Die Transafrika-Reisegruppe konnte die Grenze zwischen Ägypten und dem Sudan auf dem neu eröffneten Landweg überqueren. Reiseleiter Christian Dinkel berichtet.

Der Wecker schrillt. Es ist 6 Uhr in der Früh. Heute entscheidet sich, wie unsere Reise weitergehen wird. Bisher konnte man die Grenze zwischen Ägypten und dem Sudan nur mühsam mit der Fähre über den 500 km langen Nasser-See überqueren. Dies soll sich mit der heutigen Eröffnung des ersten Grenzübergangs auf dem Landweg schlagartig ändern. Diese einmalige Chance wollen wir uns nicht entgehen lassen.

Um 7 Uhr stehen wir gut gekleidet und voller Hoffnung vor dem Eingangstor des neuen Fährhafens in Abu Simbel. Totenstille. Keine Person in Sicht. Dann rührt sich etwas im Wärterhäuschen. Ein freundlicher Beamter im Pyjama kommt heraus. Wir lassen ihm Zeit, sich für den Tag frisch zu machen und die Haare zu frisieren. Rausgeputzt und in Uniform kommt er ein paar Minuten später strahlend zu uns. Der Chef hat zugestimmt, dass wir ins Hafengelände fahren dürfen. Die erste Hürde ist geschafft!

Wir stehen allein auf dem grossen Parkplatz. Kaum zu glauben, dass heute eine offizielle Feier stattfinden soll. Je mehr Zeit vergeht, desto mehr Pick-ups und Busse treffen ein. Sie sind beladen mit bärtigen Männern - in weisse Galabaijas gekleidet, den Kopf kunstvoll mit weissen Tüchern umwickelt, die Füsse in einfachen Sandalen.

Plötzlich kommt Hektik auf

Vor uns stehen zwei neue Fähren, grosszügig beflaggt mit den ägyptischen Nationalfarben Rot, Weiss und Schwarz. Sie sollen in Zukunft die Reisenden in einer Stunde über den Nil zur neuen Asphaltstrasse bringen. Wir werden wie die anderen auf eine dieser Fähren beordert. Die Einheimischen nehmen uns sofort in Beschlag. Es wird herzhaft gegrüsst, gelacht und angeregt diskutiert - den Kopf auf die den hölzernen Gehstock umfassenden Hände abgestützt.

Plötzlich kommt Hektik auf. Kurz darauf braust ein bewaffneter Konvoi heran. Hinter den verdunkelten Fenstern sitzt die Nomenklatur. Die Fähren legen ab, auf der einen das Fussvolk mit uns und auf der anderen die VIPs. Die nächste Hürde ist geschafft!

Sogar das Fernsehen ist da

Wir stehen vor den verschlossenen Toren des neu gebauten Grenzpostens in der leeren Wüste. Nach langem Hin und Her wird uns geöffnet und wir dürfen die Ausreiseformalitäten über uns ergehen lassen. Die dritte Hürde ist geschafft!

Im neu eröffneten Zollübergang wimmelt es von Beamten. Dementsprechend herrscht viel Rummel mit TV-Leuten, Fotografen und Journalisten. Jeder versucht sich möglichst vorteilhaft zu positionieren. Loblieder auf die grossartige Errungenschaft der paar Häuser in der Öde werden gesungen. Alles wirkt noch improvisiert und chaotisch.

Mittendrin wir, als einzige Reisende. Ein kurzes Interview mit dem sudanesischen Fernsehen (wie gewünscht in typischer Touristenmontur mit Rucksack und Fotoapparat) und dann noch ein Foto mit dem sudanesischen Zolldirektor. Er begrüsst uns persönlich als erste Reisende, die die Grenze zwischen Ägypten und Sudan auf dem Landweg offiziell überquert haben. Die letzte Hürde ist geschafft - wir sind im Sudan!

Transafrika

In 100 Tagen legen die Teilnehmer der Transafrika-Reise im Truck den Weg von Kairo nach Kapstadt zurück. Auf 20 Minuten berichtet Reiseleiter Christian «Chregu» Dinkel regelmässig von dem Abenteuer. Verfolgen Sie unter diesem Link den Reiseverlauf auf der Karte.

Auf einzelnen Etappen sind noch wenige Plätze frei.

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