Doktor Sex«Golden Shower» - was ist das?
Ornellas Freund möchte etwas ausprobieren, von dem sie keine Ahnung hat, was es ist. Weil sie sich schämt, ihren Freund zu fragen, wendet sie sich an Doktor Sex.
Frage von Ornella (19) an Doktor Sex: Mein Freund sagt immer wieder, er möchte mit mir «Golden Shower» ausprobieren. Das Problem ist nur, dass ich nicht weiss, was das ist oder wie das geht. Ich schäme mich dafür und deshalb ist es mir unangenehm, ihn zu fragen. Kannst du es mir bitte erklären?
Antwort von Doktor Sex:
Liebe Ornella.
Hinter Ausdrücken wie «Golden Shower», «Natursekt» oder «Champagner», verbergen sich sexuelle Praktiken, die beim Sex Urin mit einbeziehen. Anhänger solcher Spielarten unterscheiden zwischen aktiven und passiven Formen. Bei ersteren wird der Partner beziehungsweise die Partnerin angepinkelt. Manchmal wird der Urin dabei sogar getrunken. Im Rahmen von sadomasochistischen Sexualpraktiken, wird diese Form auch als mögliche Art der Bestrafung verwendet. Bei der passiven Version geht es darum, einem Mann oder einer Frau beim Pinkeln zuzusehen. Weil die sexuelle Erregung durch Beobachtung ausgelöst wird, spricht man in diesem Fall deshalb oft auch von einer speziellen Form von Voyeurismus.
Im 19. Jahrhundert, als Psychiater das Konzept der «Sexuellen Geisteskrankheit» einführten, wurden diese und andere von der sogenannten Normalität abweichende Sexualpraktiken als «Deviationen» oder «Perversionen» bezeichnen. Diese Begriffe legen alle einen «korrekten» oder «normalen» Sexualtrieb zugrunde, welcher pervertiert werden kann. Weil ein solch allgemeiner Trieb aber nie nachgewiesen werden konnte und die wissenschaftlichen Untersuchungen von Kinsey und seinen Mitarbeitnden zeigten, dass die menschliche Sexualität äusserst vielfältig ist und nicht in Kategorien wie «richtig» oder «falsch» eingeteilt werden kann, werden diese Ausdrücke heute kaum noch verwendet. Dies bedeutet aber nicht, dass alle sexuellen Normen oder Massstäbe über Bord geworfen wurden. Bestimmte Formen von Sexualverhalten geben sehr wohl Anlass zur Besorgnis. Dies trifft insbesondere dann zu, wenn das Verhalten zwanghaft, destruktiv und für die betroffene Person belastend ist.