Ostern – oder wenn die Hasen die Löffel abgeben

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Ostern – oder wenn die Hasen die Löffel abgeben

Osterzeit ist Schokoladenzeit. Nicht für Osterhasen allerdings: Sie lassen in der Schweiz zu Tausenden ihr Leben.

Ihr Verschwinden beginnt an den Ohren: Ein kräftiger Biss und die letzten Stunden des Schoko-Hasen sind eingeläutet – in der Schweiz wird es ihnen auch dieses Jahr wieder an die Löffel gehen. Schon letztes Jahr wurden pro Kopf rund 3,4 Kilogramm Schokolade in Osterhasen-Form verdrückt. Das sind über 20 000 Tonnen Schoko-Hasen, die ihr Leben liessen.

Meister Lampe ging es an Ostern aber auch früher nicht besser: Im Mittelalter, damals in Fleisch, Blut und Fell, diente er als Steuerabgabe an die Gutsherren – er landete dementsprechend im Kochtopf.

In den folgenden Jahren wurde Ostern zunehmend mit dem Hasen in Verbindung gebracht, und seit Beginn des 20. Jahrhunderts gehört er zu Ostern wie das Christkind zur Weihnachtszeit. Damals erhielt der Hase auch sein Kleid in Form von Schokolade.

Damit der Hase die Ostern heutzutage geschmackvoll versüsst, wird eine Schokoladenmischung mit hohem Kakaobutter-Anteil verwendet. Einige Hersteller karamellisieren die Masse, andere verarbeiten sie mit Haselnussstücken zu Knusperschokolade; oft wird dunkle Grand-Cru-Schokolade verwendet – eine Schokolade mit Herkunftsbezeichnung.

Bei Confisseuren blüht den Hasen ein besonders kurzes Leben: «Die Osterhasen werden täglich frisch gegossen», sagt Fritz Beck, Präsident des Confisseur-Meister-Verbandes des Kantons Zürich, «die meisten Hasen haben ihren Geburtstag einen Tag vor dem Verkauf.» Alt werden sie aber ohnehin nicht.

Das Ei diente ebenfalls als Obolus

Ebenso wie die Geschichte des Osterhasen geht diejenige der Ostereier aufs Mittelalter zurück, als diese jeweils auch an Ostern als Obolus an die Gutsherren zu entrichten waren.

Die Verknüpfung mit dem Hasen erhielt das Osterei im 17. Jahrhundert, als den Hasen nachgesagt wurde, sie würden die Eier legen und danach auch gleich noch verstecken.

Jan Graber

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