Brisanter KinofilmDrama zum Fall Tschanun ist fertig
Sein Amoklauf erschütterte 1986 die Schweiz. Im Film «180°» wird nun die Geschichte von Günther Tschanun aufgegriffen.
Er kommt morgens wie immer ins Büro. Dann schiesst er auf seine Mitarbeiter – und tötet. Im Film heisst er nur «Er», in Tat und Wahrheit heisst er Günther Tschanun. Die Geschichte des Zürcher Baupolizeichefs, der 1986 vier seiner Angestellten niederstreckte und flüchtete, legt die Basis für Cihan Inans Film «180°», der am 16. September in die Kinos kommt.
Der 40-jährige Drehbuchautor und Regisseur erklärt, weshalb ihm dieses düstere Kapitel der Schweizer Kriminalgeschichte nie aus dem Kopf gegangen ist: «Ich war 17, Kantischüler im Aargauischen, und ich kann mich noch genau an das Fahndungsfoto erinnern.» Er habe damals erkannt, dass das, was man sieht, nicht immer das ist, wofür man es hält: «Für mich sah Tschanun aus wie ein Engel, nicht wie ein Mörder.»
Tschanun sass 14 Jahre im Gefängnis. Heute soll der inzwischen 68-Jährige unter anderem Namen ausserhalb von Zürich leben – mit seiner damaligen Freundin. Was, wenn er im Herbst im Kinopublikum sitzt? «Das habe ich mir noch nie überlegt», gibt Inan zu. Und fügt an: «Ich versuche in meinem Film Verständnis zu zeigen. Er wurde gemobbt. Aber er hat etwas Unmögliches getan.» Inan beleuchtet in «180°» drei Familien, die in den Amoklauf verstrickt sind – ein Drama zieht das nächste nach sich. Inan: «Diese Geschichten zeigen Lösungen, die Tschanun damals nicht fand.»
180-film.com