SimulacraKoran-Suren auf Baby-Bein
Der neun Monate alte Ali Jakubow aus Dagestan ist ein lebendes Wunder: Auf seinem Bein erscheinen ständig Male in der Form einer Sure aus dem Koran. Für Ali ist dieses Stigma aber alles andere als angenehm.
(Quelle: YouTube)
Der kleine Junge mit den Malen lebt im Dorf Krasno-Oktjabrskoe (Roter Oktober) in der islamisch geprägten nordkaukasischen Provinz Dagestan in Russland. Seine Male sollen sich jeweils zwei Mal in der Woche zeigen, nämlich am Montag und am Freitag. Kurz darauf verschwinden sie wieder und werden durch neue ersetzt, berichtet die russische Website Hitgid.ru.
Jedes Mal, wenn die Male erscheinen, bekomme das Kind hohes Fieber, berichtet die Mutter Madina Jakubowa. Der kleine Ali schreie und weine dann. Der Dorf-Imam Abdulla glaubt, dass es sich bei den Malen, die in arabischen Schriftzeichen eine Sure aus dem Koran oder Hadithe (Überlieferungen der Worte und Taten des Propheten Mohammed) zeigen, um göttliche Zeichen handelt.
Salz oder Pfeffer auf der Haut
Aus medizinischer Sicht könne das unmöglich sein, sagte Ludmila Luss aus dem russischen Institut für Immunologie FMBA der Nachrichtenagentur RIA Novosti. Die wahrscheinlichste Ursache für das Stigma sei eine mechanische oder chemische Einwirkung auf die Haut. Möglicherweise seien die Eltern selber dafür verantwortlich, die dies ihrem Kind antun würden, um Aufmerksamkeit zu erregen, so Luss.
Werde beispielsweise Salz oder Pfeffer eingerieben, so erhöhe sich an den betroffenen Stellen die Permeabilität der Haut und auch die Blutgefässe erweiterten sich, führte Luss weiter aus. Die Stellen blieben dann eine Weile rot. Eine weitere mögliche Ursache sei auch eine Krankheit: Bei der Urticaria dermographica (Dermographismus) komme es oft zu Rötungen und Schwellungen der Haut nach einer mechanischen Reizung. Bei diesen Patienten, die oft an Verdauungsproblemen litten, könne man gewissermassen mit dem Finger auf der Haut «schreiben». Luss wies abschliessend darauf hin, das Kind müsse genauer untersucht werden, bevor eine exakte Diagnose möglich sei.