Konflikt-Experte: Terroristen wollen Angst verbreiten
Das Ziel von Terroristen, die Bomben in spanischen Vorortszügen oder in Londoner U-Bahnen legen, ist die Verbreitung von Angst.
Diese Ansicht vertritt ETH-Strategieexperte Albert Stahel in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda.
Zudem wollten sie den westlichen Ländern auf diese Weise klar machen, dass sie noch da seien. «Ihr seit immer noch im Visier», fasst Stahel zusammen. Doch auch den eigenen Leuten gelte die Botschaft, dass der Kampf weitergehe.
Im Brennpunkt solcher Anschläge sei immer die Irak-Problematik und im weiteren Sinne die Reibungsflächen zwischen dem Westen und der islamischen Welt, glaubt Stahel, der an der Forschungsstelle für Sicherheitspolitik und Konfliktanalyse der ETH-Zürich lehrt. Somit seien primär jene Staaten im Visier, die sich im Irak auf Seiten der USA markant engagierten.
Die Folge der Anschlägen belege dies: Spanien habe sich wie Grossbritannien mit einem Kontingent den US-Truppen bei deren Irak- Feldzug angeschlossen. Regierungschef Tony Blair sei der prominenteste Verbündete von US-Präsident George W. Bush. Der G8- Gipfel in Schottland sei sicher auch eine Gelegenheit gewesen, nun zuzuschlagen.
Schweiz kaum im Visier
Als potenzielle Ziele nennt Stahel Italien und Polen, da beide Länder Truppen im Irak hätten. Kaum ins Visier geraten dürfte nach Stahel die Schweiz. Dies bleibe, solange das Land im Irak-Konflikt nicht Partei ergreife. Zudem sei die Schweiz für die militanten Islamisten ein «Ruhe- und Transitland».
Die von Bundespräsident Samuel Schmid erwähnte Befürchtung, die Schweiz könne als internationales Banken- und Wirtschaftszentrum in die Schusslinie geraten, teilt Stahel nicht. Ausländische Firmensitze würden als alleinige Auslöser für einen Anschlag kaum ausreichen.
Zwei Möglichkeiten
Die Strategie im Kampf gegen den Terrorismus habe zwei Seiten. Auf der einen Seite müsse der Irak-Konflikt so gelöst werden, dass das Land nicht mehr der Brennpunkt für Terroristen sei. Ähnlich Afghanistan und die übrigen Reibungszonen mit den USA: Hier müsse man über die Bücher gehen.
Auf der anderen Seite empfiehlt Stahel Massnahmen im militärisch- polizeilichen Bereich. Botschaften und andere gefährdete wichtige Objekte müssten noch wirksamer geschützt werden, um Anschläge zu verhindern.
(sda)