Irak wird zu gefährlich: Die Reporter reisen ab

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Irak wird zu gefährlich: Die Reporter reisen ab

Die Situation in Bagdad habe sich in den vergangenen Wochen «dramatisch verändert», sagt ein ARD-Korrespondent. Einer seiner Mitarbeiter könne «nur noch mit einem Panzerwagen nach Hause fahren». Auch Privatsender kündigten den Abzug ihrer Korrespondenten aus Bagdad an.

Das ZDF-Team kehrte bereits nach Deutschland zurück. Derzeit könne er kein Datum für die Entsendung eines neuen Reporterteams in die irakische Hauptstadt nennen, sagte ZDF- Chefredaktor Nikolaus Brender am Montag. Das ZDF-Team reiste am Sonntag aus Bagdad ab.

Die Schweizer Medien sind kaum noch in Irak vertreten. Der Korrespondent der «Basler Zeitung» habe eine für September geplante Reise abgesagt, erklärte Willy Herzig von der BAZ-Auslandsredaktion auf Anfrage. Iren Meier, die Nahost-Korrespondentin von Radio DRS konnte seit ihrem Amtsantritt vor drei Monaten noch nie nach Bagdad reisen.

Die Sicherheitslage lasse dies nicht zu, erklärte Peter Bertschi, der Stellvertretende Chefredaktor der Abteilung Information. «Neue Zürcher Zeitung» und «Tages-Anzeiger» und «Le Temps» sind in Irak ebenfalls nicht präsent.

Von den angefragten Medien verfügen lediglich «Der Bund» und des Westschweizer Radio RSR über Berichterstatter vor Ort. Bei der «Bund»-Journalistin handelt es sich um eine freie Mitarbeiterin. Sie bleibt vorläufig in Bagdad ebenso wie die Sonderkorrespondentin von Radio RSR.

Vor dem Hintergrund der Unsicherheit in Bagdad und der zunehmenden Gefährdung von Ausländern durch Geiselnehmer bereiten sich zahlreiche Medienschaffende in Irak auf ihre Ausreise vor.

Auch die ARD...

ARD-Korrespondent Stefan Schlentrich, der sich derzeit noch in Bagdad aufhält, sagte auf telefonische Anfrage, er stelle sich mit seinem Kameramann und seinem Editor auf eine Ausreise zwischen Mitte und Ende der Woche ein. Die beiden öffentlich-rechtlichen Fernsehsender stimmten sich über die Ausreise ihrer Teams ab.

Die Situation in Bagdad habe sich in den vergangenen Wochen «dramatisch verändert», sagte Schlentrich. Sein Team fühle sich inzwischen «observiert». Da nach den jüngsten Geiselnahmen viele Vertreter von Hilfsorganisationen aus Bagdad abgezogen worden seien, wachse die Gefahr für Journalisten, die als Europäer zu erkncdvm ennen seien.

«Jetzt fällt man eher auf», fügte Schlentrich hinzu. Einer seiner Mitarbeiter könne «nur noch mit einem Panzerwagen nach Hause fahren», den die ARD angemietet habe. Wegen der Gefahr von Geiselnahmen habe sein Team zuletzt nur noch vom Hotel aus berichten können. «Wir sind nicht mehr rausgegangen.»

Auch der ZDF-Chefredaktor sprach davon, dass «Fernsehteams besonders gefährdet» seien, weil sie sich für die Dreharbeiten gut sichtbar in die Strassen Bagdads begeben müssten. Die Lage sei «seit drei Wochen besonders gefährlich».

Zugleich betonte Brender, dass die Infrastruktur seines Senders in Bagdad bestehen bleibe. Es hänge «von den Themen und der Sicherheit ab», wann das ZDF wieder ein Team in den Irak entsende. Sein Sender müsse jeweils «zwischen der Informationspflicht und der Sicherheit der Korrespondenten abwägen».

...und die Privatsender

Auch Privatsender kündigten den Abzug ihrer Korrespondenten aus Bagdad an. Der Nachrichtensender N24 holt seine Reporterin Katrin Sandmann, die auch für ProSieben und Sat.1 berichtet, aus der irakischen Hauptstadt zurück nach Deutschland, wie N24 am Montag mitteilte. Ebenso kehrt RTL-Korrespondent Georg von Ehren nach Deutschland zurück, wie ein Sprecher bestätigte.

(sda)

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