Israel will Sperranlage bauen
Die Mauer ist nicht genug: Israel plant jetzt den Bau eines 20 Meter tiefen und 60 bis 80 Meter breiten Grabens an der Grenze zu Ägypten. Von palästinensischer Seite wird der Bau als «Apartheidsmauer» bezeichnet.
Damit soll verhindert werden, dass Palästinenser Tunnel graben, um Waffen und Sprengstoff in den südlichen Gazastreifen zu schmuggeln. Am Freitag bestätigte ein israelischer Regierungsvertreter Radioberichte, wonach Ministerpräsident Ariel Scharon der Armee die Genehmigung erteilte, einen «Philadelphia» genannten Korridor an der Grenze zu Ägypten zu «erweitern». Zu diesem Zweck werden in Rafah hunderte Häuser von Palästinensern zerstört.
Die Massnahme gilt als Vergeltung für die Tötung von fünf mit dem Aufspüren solcher Tunnel betrauten Soldaten durch die Palästinenserorganisation Islamischer Dschihad.
Nach Schaubildern soll sich der mit Meerwasser gefüllte Graben auf einer Länge von etwa 15 Kilometern entlang der ägyptischen Grenze erstrecken - von der Mittelmeerküste bis hin zum Kibbutz von Kerem Schalom in Südisrael. Jeglicher Tunnel unter dem Kanal wäre durch den Druck der Wassermassen vom sofortigen Einsturz bedroht.
Auf palästinensischer Seite soll der Wassergraben durch eine Sperranlage ergänzt werden. Laut der israelischen Zeitung «Haaretz» sollen die Bauarbeiten in den kommenden Monaten beginnen. Die Kosten werden auf Dutzende Millionen Schekel (1 Million Schekel entsprechen rund 277 700 Franken) veranschlagt.
Gleichzeitig setzt Israel den Bau der weit ins Westjordanland hineinreichenden Sperrmauer fort. Das 700 Kilometer lange Bauwerk mit geschätzten Kosten von umgerechnet 2,8 Milliarden Euro soll bis 2005 fertiggestellt werden.
Der Internationale Gerichtshof in Den Haag prüft derzeit die Rechtmässigkeit der Sperranlage. Von Israel wird sie als «Schutzwall» gegen antiisraelische Angriffe bezeichnet, von den Palästinensern als «Apartheidsmauer» kritisiert.
(sda)