Sterbehilfe für Eluana spaltet Italien

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EthikSterbehilfe für Eluana spaltet Italien

Das Schicksal der Koma-Patientin Eluana Englaro spaltet Italien. Am Wochenende gingen im ganzen Land Gegner und Befürworter einer Sterbehilfe bei Demonstrationen auf die Strasse.

Gegner zogen am Samstag unter anderem vor die Privatklinik in Udine in Norditalien, wo die 38-Jährige derzeit behandelt wird. Dort sollen nach dem Wunsch der Familie die lebenserhaltenden Schläuche in Kürze entfernt werden, nachdem das Verfassungsgericht den Weg für eine Sterbehilfe freigemacht hatte. «Lang lebe Eluana!» skandierten die Demonstranten vor der Klinik.

Die Befürworter eines würdigen Sterbens zogen vor das Büro des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi in Rom und protestierten gegen dessen Intervention. «Vertraut der Liebe eines Vaters! Stoppt Berlusconi!» stand auf einem ihrer Spruchbänder. Der Ministerpräsident hatte am Freitag mit einer Notverordnung versucht, die Fortsetzung der lebenserhaltenden Massnahmen zu erzwingen. Präsident Giorgio Napolitano unterzeichnete das Dokument jedoch nicht, weil er darin einen Verstoss gegen die Gewaltenteilung sah.

Am Sonntag zog Gesundheitsminister Maurizio Sacconi in Zweifel, ob die Klinik überhaupt die geeignete Einrichtung für eine Sterbehilfe sei. Die Klinik «La Quite» in Udine sei kein Hospiz, wie es in dem Urteil des von dem Vater angerufenen Mailänder Gerichts verlangt worden sei, sagte er. Damit deutete sich an, dass die Regierung einen neuen Ansatz zur Erhaltung des Lebens der Patientin verfolgt.

Patientin stabil

Eluanas Familie hat den Ärzten grünes Licht gegeben, die künstliche Ernährung zu reduzieren, um sie in Kürze gänzlich zu beenden. Der behandelnde Neurologe Carlo Alberto Defanti sagte am Sonntag, der Zustand der Patientin sei «stabil». Die Zufuhr der künstlichen Ernährung werde weiter gedrosselt.

Berlusconi hat bereits angekündigt, dass er nun das Parlament darum bitten will, in einem Eilverfahren ein Gesetz zu verabschieden, das die Fortsetzung der lebenserhaltenden Massnahmen für Eluana vorschreibt. Dies wird vermutlich am (morgigen) Montag geschehen. Napolitano würde die Abgeordneten dann vermutlich darum bitten, ihre Entscheidung noch einmal zu überdenken. Wenn dann beide Parlamentskammern der Vorlage ein zweites Mal zustimmen, würde sie Gesetz. Bis dahin könnte allerdings schon der Tod der Koma-Patientin eingetreten sein.

«Ein Licht geht aus»

Kardinal Angelo Bagnasco, Vorsitzender der italienischen Bischofskonferenz, sagte, wenn man Englaro Nahrung und Wasser verweigere, komme das einer Tötung gleich. «Ein Licht geht aus, das Licht des Lebens», schrieb er in der Samstagausgabe der bischöflichen Zeitschrift «Avvenire». «Und Italien wird dunkler.»

In die Debatte hat sich auch Papst Benedikt XVI. eingeschaltet. Ohne Englaro direkt beim Namen zu nennen, sagte er am Samstag, er wolle «die absolute und oberste Würde jedes Menschen» betonen, auch wenn der Mensch «schwach und im Mysterium des Leids gehüllt ist». Anlass der Botschaft war der Welttag der Kranken.

Eluana war nach einem Autounfall 1992 im Alter von 20 Jahren ins Koma gefallen. Zwei Jahre später erklärten die Ärzte, ihr Zustand sei irreversibel. Seitdem hat ihr Vater Beppino Englaro dafür gekämpft, seine Tochter sterben zu lassen. Ein Gericht in Mailand gab ihm schliesslich Recht, das Verfassungsgericht in Rom bestätigte diese Entscheidung im vergangenen November. Der Vater berief sich darauf, dass seine Tochter kurz vor ihrem Unfall lebensverlängernde Massnahmen für Koma-Patienten für sich abgelehnt habe. (dapd)

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