GriechenlandGrosse Zerstörung nach Krawallnacht in Athen
Griechenland kommt nicht zur Ruhe: In der Nacht zum Sonntag ist es in der griechischen Hauptstadt erneut zu Ausschreitungen gekommen. Vier Beamte wurden verletzt, 14 Demonstranten vorübergehend festgenommen.
Die Krawalle begannen am Samstag nach einer Mahnwache an der Stelle, an der am 6. Dezember ein 15-Jähriger von einer Polizeikugel getötet worden war. Bei der Mahnwache scherten rund 150 Demonstranten aus und zogen zur Technischen Universität. Von dort griffen sie die Polizei an.
Die Vermummten bewarfen die Polizei mit Brandbomben und zündeten Mülltonnen an. Zwei Banken sowie staatliche Gebäude wurden attackiert. Sieben Polizeiautos gingen in Flammen auf. Die Beamten setzten Tränengas ein. Die Unruhen dauerten bis zum frühen Sonntagmorgen.
Proteste über das ganze Wochenende
Bereits am Nachmittag war es in der griechischen Hauptstadt am Rande eines Protestmarsches gegen die verschärften Asylregelungen in der Europäischen Union zu Zusammenstössen zwischen Jugendlichen und Ordnungskräften gekommen.
Die Beamten schützten einen Tannenbaum auf dem Syntagma Platz im Zentrum der Stadt davor, in Brand gesteckt zu werden. Die Demonstranten bewarfen den Baum und die Bereitschaftspolizisten daraufhin mit Müll, diese setzten Tränengas ein und nahmen sechs Menschen fest. Der Protestmarsch selbst verlief friedlich.
Nicht nur Athen betroffen
In der Hafenstadt Thessaloniki besetzten rund 40 Demonstranten ein Kino. Andere bewarfen den konservativen Bürgermeister der Stadt mit Tortenstücken, wie das Fernsehen zeigte.
Landesweit kam es vorübergehend zu Besetzungen von lokalen Radiostationen, die jedoch alle friedlich verliefen. Die Besetzer sendeten Erklärungen, die Polizei, eine Konsumgesellschaft und Vetternwirtschaft anprangerten.
Vermutlich bald Regierungsumbildung
Angesichts von neuen schlechten Umfrageergebnissen für die regierende bürgerliche Partei Nea Dimokratia (ND) und Regierungschef Kostas Karamanlis rechnet man in Athen für die kommenden Tage mit einer umfangreichen Regierungsumbildung.
Nach einer in der konservativen Zeitung «Kathimerini» am Sonntag veröffentlichten repräsentativen Umfrage, würden die oppositionellen Sozialisten unter Giorgos Papandreou bei Neuwahlen 38,5 Prozent der Stimmen erhalten. Die Nea Dimokratia hingegen würde nur 32,5 Prozent bekommen.
Nach einer Demonstration gegen die griechische Polizei kam es auch in Hamburg am Samstag zu Krawallen. Vier Beamte wurden verletzt, zehn Menschen wurden festgenommen. (sda)