EnthauptungHände entlarven Mörder von Daniel Pearl
Die Enthauptung des US-Journalisten Daniel Pearl in Pakistan schockierte vor neun Jahren die Welt. Jetzt konnte sein Mörder mit einer speziellen Technik ermittelt werden.

Foto des entführten Daniel Pearl, das von seinen Kidnappern veröffentlicht worden war.
An sich ist der Name bekannt: Kein geringerer als der 2003 in Pakistan verhaftete Chalid Scheich Mohammed, der mutmassliche Chefplaner der Terroranschläge vom 11. September 2001, gab zu, «mit meiner gesegneten rechten Hand den Kopf des amerikanischen Juden Daniel Pearl in Karachi abgeschlagen» zu haben. Weil Mohammed in US-Gewahrsam 183 Mal mit Waterboarding gefoltert wurde, ist dieses Geständnis möglicherweise vor Gericht nicht verwendbar. Bislang wurde Mohammed im Fall Pearl jedenfalls nicht angeklagt.
Einen unabhängigen Beweis gab es ebenfalls nicht, im Video der Enthauptung sind nur die Hände des Täters zu erkennen. Genau diese scheinen ihn nun überführt zu haben: Dozenten und Studenten der Universität Georgetown in Washington haben während drei Jahren den Fall Pearl umfassend untersucht. Dabei verglichen sie die Hände des Mörders mit jenen von Chalid Scheich Mohammed und kamen anhand der Venen zum Schluss, dass es sich um die gleiche Person handeln muss. Dies zeigt der Untersuchungsbericht, der vom «Center for Public Integrity» veröffentlicht wurde und von US-Medien zitiert wird.
Interview war Falle
Der damals 38-jährige Daniel Pearl hatte als Reporter des «Wall Street Journal» in Pakistan recherchiert, als er am 23. Januar 2002 auf dem Weg zu einem vermeintlichen Interview mit einem radikalen Prediger gekidnappt und etwa eine Woche später umgebracht wurde. Der Fall sorgte nicht zuletzt durch die brutale, auf Video festgehaltene Ermordung für Aufsehen. Die Geschichte wurde 2007 unter dem Titel «A Mighty Heart» verfilmt, mit Angelina Jolie als Pearls Ehefrau Mariane, die zum Zeitpunkt der Entführung schwanger war.
Die Bericht der Universität Georgetown bringt weitere Details ans Licht. So seien drei verschiedene militante Gruppen und insgesamt 27 Personen an der Entführung beteiligt gewesen, von denen 14 in Pakistan immer noch auf freiem Fuss sein sollen. Anfangs hätten die Kidnapper nicht gewusst, was sie mit dem Journalisten machen sollten, sogar seine Freilassung sei erwogen worden. Dann habe Chalid Scheich Mohammed von Saif al-Adel, einem hohen Al-Kaida-Funktionär, den Auftrag erhalten, sich um Pearl zu kümmern.
Im zweiten Anlauf geköpft
Auch die Ermordung wird detailliert geschildert. Demnach hat Chalid Scheich Mohammed seinem Opfer zuerst «nur» die Kehle aufgeschlitzt. Weil die Videokamera nicht funktionierte, habe er Pearl im zweiten Anlauf den Kopf abgeschnitten. Der Bericht zitiert Aussagen eines hochkarätigen Insassen des Lagers Guantánamo Bay in Kuba, wonach Al-Kaida-Chef Osama bin Laden über die öffentliche und brutale Abschlachtung des US-Journalisten gar nicht erfreut gewesen sei: Sie habe dem Terrornetz «unnötige Aufmerksamkeit» verschafft.