Nordkorea hat plötzlich keine Atomwaffen mehr

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Nordkorea hat plötzlich keine Atomwaffen mehr

Nach Jahrzehnten der Konfrontation haben die USA und Nordkorea einen historischen Anlauf zur Normalisierung ihrer Beziehungen unternommen. Möglich machen soll das ein diplomatischer Kniff seitens der USA: Nach neuer Lesart hat sich Nordkorea nie um die Produktion einer Atombombe bemüht.

US-Unterhändler Christopher Hill und der stellvertretende nordkoreanische Aussenminister Kim Kye Gwan kamen am Abend in New York zu einem ersten Treffen zusammen.

Sie wollen die bilaterale Arbeitsgruppe ins Leben rufen, die Mitte Februar nach einem Durchbruch bei den Sechs-Länder-Gesprächen zur Beendigung des nordkoreanischen Atomwaffenprogramms vereinbart worden war.

Hill und Kim Kye Gwan fuhren am Abend in getrennten Fahrzeugen vor dem Waldorf Astoria Hotel in New York vor. Sie wollten nach Angaben westlicher Diplomaten gemeinsam zu Abend essen und sich am Dienstag zu einer Arbeitssitzung treffen. Im Anschluss wollte Hill über mögliche Ergebnisse informieren. Ein Zeitpunkt dafür war zunächst nicht bekannt. Im Vorfeld des Treffens hatte Hill vor überzogenen Erwartungen gewarnt. Zunächst gehe es darum, die Themen für den weiteren Dialog abzustecken.

Einem Bericht der «New York Times» zufolge wollen die USA es dem stalinistisch geprägten Nordkorea ermöglichen, bei der Schliessung seiner Nuklearanlagen das Gesicht zu wahren. Schlüssel dazu sollen die Zweifel sein, die Washington in den vergangenen Tagen am nordkoreanischen Atomprogramm geäussert hat.

Das gebe Pjöngjang die Möglichkeit zu erklären, dass sich das Land um die Energiegewinnung und nicht um die Produktion einer Atombombe bemüht habe, schrieb die Zeitung. Amerikanische Geheimdienstexperten hatten in den vergangenen Tagen überraschend Zweifel daran geäussert, dass Nordkorea überhaupt über Atomwaffen verfügt.

Die bilaterale Arbeitsgruppe zwischen den USA und Nordkorea war Mitte Februar nach einem Durchbruch bei den Sechs-Länder-Gesprächen vereinbart worden. Dabei hatte Pjöngjang zugesagt, sein umstrittenes Atomprogramm schrittweise einzustellen. Im Gegenzug soll Nordkorea massive Energie- und Wirtschaftshilfe bekommen. Die USA wollen eine Beendigung von Handelshemmnissen einleiten und Nordkorea von der Liste der Staaten streichen, die den Terrorismus unterstützen.

(sda)

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