Amoklauf in Finnland«Die Lösung ist eine Walther 22»
Der Amokläufer einer Schule in Finnland hat seine Tat bereits vor sechs Jahren geplant. Sein Motiv war Hass auf die Menschheit. Das geht aus Notizen des Täters hervor.
Der 22-jährige Amokläufer hat in zwei handschriftlichen Notizen Hass auf die Menschheit geäussert. Auf den Zetteln, die er im Schülerwohnheim hinterliess, erklärte er nach Polizeiangaben ausserdem, dass er die Tat seit 2002 geplant habe.
Die Lösung sei eine Walther 22, schrieb er. Eine entsprechende 22kalibrige Pistole setzte er bei der Bluttat ein, bei der mindestens elf Menschen ums Leben kamen.
Täter festgenommen und wieder freigelassen
Erst am Montag war der Täter wegen Gewaltvideos von der Polizei verhört worden. (20 Minuten Online berichtete) Am darauffolgenden Dienstag hat der Berufsschüler an seiner Schule im Westen Finnlands das Blutbad angerichtet. Der schwarz gekleidete 22-Jährige schoss am Vormittag in der Fachoberschule von Kauhajoki wild um sich und tötete mindestens zehn Menschen, wie die Polizei mitteilte. Anschliessend richtete er die Waffe gegen sich selbst und erlag später seinen Verletzungen.
Wie die finnische Innenministerin Anne Holmlund mitteilte, wurde der 22-Jährige nach seiner Vernehmung am Montag wieder freigelassen, da es keinen juristischen Grund für eine Festnahme gegeben habe. Bei dem Verhör ging es um Videos auf YouTube, das den jungen Mann beim Schiessen mit einer Handfeuerwaffe zeigt. Nach Medienberichten wurde einer der Clips vor fünf Tagen ins Internet gestellt und verweist gezielt auf den Ort Kauhajoki, knapp 200 Kilometer nordwestlich von Helsinki. In einer Botschaft heisst es, das ganze Leben sei ein Krieg, und jeder kämpfe für sich allein.
In den vergangenen drei Wochen soll der Amokläufer schon drei weitere Clips veröffentlicht haben, die ihn beim Schiessen zeigen. Für seine Waffe erhielt er laut Innenministerin Holmlund im August eine Lizenz. Am Dienstag drang er dann gegen 11.00 Uhr in seine Hotelfachschule ein und begann zu schiessen. Bei sich trug er eine grosse Tasche. Nach Polizeiangaben wurden zehn Menschen getötet und zwei weitere verletzt. Der Täter schoss sich anschliessend in den Kopf und wurde in ein Krankenhaus in Tampere gebracht. Bald darauf verstarb er.
Panik unter den Schülern
Dem Radiosender YLE zufolge hielten sich zum Zeitpunkt der Tat in dem Schulgebäude rund 200 Menschen auf. Unter den Schülern brach nach Augenzeugenberichten Panik aus. «Innerhalb kurzer Zeit habe ich mehrere Dutzend Schüsse gehört», sagte der Hausmeister Jukka Forsberg laut YLE.
Polizeisprecher Jari Neulaniemi sagte, der Täter habe - vermutlich in der grossen Tasche - Sprengsätze bei sich gehabt, die ein Feuer auslösten. Einige der Toten waren bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. Nach Angaben des Rektors fand zum Zeitpunkt der Tat in einer Klasse mit etwa 20 Schülern eine Prüfung statt.
«Wir haben einen tragischen Tag erlebt», sagte Ministerpräsident Matti Vanhanen. Er rief den Mittwoch zum nationalen Tag der Trauer aus.
Im November vergangenen Jahres hatte ein 18-Jähriger an seiner Schule in Südfinnland acht Menschen und anschliessend sich selbst erschossen. Auch vor diesem Blutbad war ein einschlägiges Video bei YouTube eingestellt worden. Die Regierung hatte nach dieser Tat angekündigt, die Altersgrenze für den Kauf von Schusswaffen von 15 auf 18 Jahre heraufzusetzen. Dies geschah aber nicht. In Finnland befinden sich 1,6 Millionen Schusswaffen im Besitz von Privatpersonen. Das Land liegt damit Studien zufolge hinter den USA und dem Jemen weltweit an dritter Stelle.
$$VIDEO$$ (dapd)