Berlin: Polizeitaucher suchen Putin-Kritikerin
Polizeitaucher haben am Freitag im Berliner Lietzensee vergeblich nach der vermissten russischen Künstlerin und Putin-Kritikerin Anna Michaltschuk gesucht.
Der Einsatz der fünf Taucher wurde nach rund zwei Stunden abgebrochen, wie Polizeisprecher Bernhard Schodrowski der AP sagte. Der See liegt im westlichen Stadtteil Charlottenburg nahe der Wohnung der 52-Jährigen, die seit Karfreitag vermisst wird.
Bis zum Mittag suchten zudem 80 bis 90 Beamte und mehrere Spürhunde eine angrenzende Kleingartenanlage und ein Bahngelände ab - allerdings zunächst ohne Erfolg. Konkrete Hinweise habe die gross angelegte Suche aber nicht ausgelöst, sagte Schodrowski. «Es entspricht dem normalen kriminalistischen Vorgehen, dass die Polizei dort mit der Suche beginnt, wo sich die Spur der vermissten Person verloren hat.»
Kein Lebenszeichen
Michaltschuk stammt aus Russland und lebt seit November letzten Jahres mit ihrem Mann Michail Ryklin in Berlin. Ryklin ist Philosoph, Kulturwissenschaftler und Schriftsteller.
Michaltschuk hatte ihre Wohnung in der Nähe des Lietzensees gegen 15.30 Uhr verlassen. Seitdem gibt es kein Lebenszeichen von ihr. Sie ist zirka 1,60 Meter gross und schlank, hat dunkelblonde Haare und eine Frisur ähnlich einem Pagenkopf. Michaltschuk trägt häufig eine Brille mit ovalen Gläsern und einem Metallrahmen. Neben Russisch spricht die Vermisste sehr gut Englisch und etwas Deutsch.
In ihrer russischen Heimat ist Michaltschuk auch unter dem Künstlernamen Anna Altschuk bekannt. Im Jahr 2003 war sie als Mitorganisatorin einer Ausstellung unter dem Titel «Achtung, Religion» vor Gericht gestellt worden. Die Ausstellung mit rund 40 Künstlern fand im «Sacharow Museum» statt - eine Organisation zur Erinnerung an den Menschenrechtler und Nobelpreisträger Andrej Sacharow. Die Anklage warf ihr unter anderem vor, nationalen und religiösen Zwist zu schüren. Michaltschuk wurde im März 2005 freigesprochen.
Ihr Mann Ryklin ist renommierter Philosoph
Michaltschuks Ehemann, der 60-jährige Ryklin, hat ein Stipendium der Deutschen Forschungsgesellschaft als Gastprofessor am Institut für Slawistik der Humboldt-Universität, wie aus deren Homepage hervorgeht.
Der 1948 im damaligen Leningrad geborene Ryklin zählt laut Munzinger-Archiv zu den renommiertesten Philosophen Russlands. Neben philosophischen Texten publizierte er zahlreiche Beiträge über Gegenwartskunst und -literatur. In dem 2003 ins Deutsche übersetzten Band «Räume des Jubels. Totalitarismus und Differenz» beteiligte sich Ryklin an der aktuellen Vergleichsanalyse von nationalsozialistischem und stalinistischem Terror. Im vergangenen Jahr wurde ihm der Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung verliehen.
(dapd)