Krise im Kaukasus«Russisches Kosovo» - Serbien sitzt zwischen allen Stühlen
Politiker und Analysten halten sich tunlichst bedeckt in Serbien. Denn mit der Anerkennung von Südossetien und Abchasien hat Russland indirekt die Unabhängigkeit des Kosovo anerkannt.
Denn Russland, bisher der wichtigste Verbündete im Kampf gegen die Unabhängigkeit des Kosovos, hat der gemeinsamen Position mit der Anerkennung Südossetiens und Abchasiens die Geschäftsgrundlage entzogen.
«Das bringt Serbien in eine ganz undankbare Situation», formulierte die Belgrader Zeitung «Press» am Mittwoch. In der Tat: Russland hat im Kaukasus genau das getan, was es in der früheren serbischen Provinz Kosovo mit aller Macht hatte verhindern wollen.
«Russisches Kosovo», prangte denn auch folgerichtig auf dem Titelblatt der Zeitung «Blic». «Russland hat Südossetien und Abchasien und damit praktisch auch die Unabhängigkeit Kosovos anerkannt», erläuterte der Kommentator diese Überschrift.
«Russland wird am Ende auch der Kosovo anerkennen», war sich der renommierte heimische Analytiker Vojin Dimitrijevic gegenüber der Zeitung «Danas» sicher.
Zwischen allen Stühlen
In jedem Fall sitzt Serbien zwischen allen Stühlen. Folgt Belgrad seinem wichtigsten Bündnisgenossen Russland bei der Anerkennung im Kaukasus, kommt das einer Aufgabe seiner früheren Provinz Kosovo gleich. Widersetzt sich Serbien Russland, stösst es seinen engsten Beschützer in Sachen Kosovo böse vor den Kopf. In der serbischen Politikszene macht sich einmal mehr Enttäuschung über Moskau breit.
Schon am letzten Wochenende hatte eine einflussreiche serbische Politikerin im Kosovo gewarnt, Russland setze der Kosovo lediglich als «Wechselgeld» zur Durchsetzung seiner eigenen Interessen ein. «Am Ende hat sich doch herausgestellt, dass Russland das Bestehen des Westens auf der Kosovo-Unabhängigkeit als Argument genutzt hat, ein genau identisches Rezept anzuwenden», schrieb «Blic».
Allgemeinplätze
Weil Serbien es in dieser Sache niemandem recht machen kann, versuchten sich die Politiker in Allgemeinplätzen wie «Es hat sich bewahrheitet, was wir immer gesagt hatten: Die Kosovo- Selbstständigkeit wird die Blaupause für andere Separatisten abgeben», heisst es landauf und landab.
«Abchasien und Südossetien sind Sonderfälle und haben nichts mit dem Kosovo zu tun, um eine amerikanische Redefloskel zu gebrachen», machte sich die Zeitung «Politika» Mut. Denn die EU und die USA hatten im Falle Kosovos gebetsmühlenartig von einem «Ausnahmefall ohne Beispielwirkung» gesprochen.
(sda)