Umstrittener VertragBP unter Lockerbie-Verdacht
Neuer Ärger für BP: Vier US-Senatoren wollen mit einer Untersuchung abklären, ob sich der Ölkonzern für die Freilassung des Lockerbie-Attentäters eingesetzt hat.

Abdel Basset al Megrahi vor seinem Abflug nach Tripolis auf dem Flughafen von Glasgow.
Bei der Verschliessung des seit April sprudelnden Öllecks im Golf von Mexiko scheint BP ermutigende Fortschritte zu machen. Doch damit enden die Probleme für den Ölkonzern in den USA nicht, im Gegenteil. Nun muss er sich unangenehme Fragen über seine Rolle bei der Freilassung des mutmasslichen Lockerbie-Attentäters Abdel Basset al Megrahi im letzten August aus einem schottischen Gefängnis gefallen lassen.
Megrahi war aus «humanitären Erwägungen» in seine Heimat Libyen entlassen worden. Er leide an Prostatakrebs und habe höchstens noch drei Monate zu leben, hiess es. Doch Megrahi ist keineswegs gestorben. Ein Krebsspezialist und damaliger Gutachter erklärte erst kürzlich der «Sunday Times», der ehemalige Geheimdienst-Offizier könne «noch zehn bis 20 Jahre leben». Was bei Angehörigen der Lockerbie-Opfer Empörung auslöste.
Ölvertrag von 2007
Auf diese Berichte bezieht sich der demokratische US-Senator Frank Lautenberg aus New Jersey. In einem Brief an die aussenpolitische Kommission des Senats äusserte er die Vermutung, dass «ein Ölvertrag von 2007 die Haltung der britischen und der schottischen Regierung im Hinblick auf Megrahis Freilassung beeinflusst hat». Die Lockerbie-Familien hätten ein Recht zu wissen, «ob die Gerechtigkeit kommerziellen Interessen geopfert wurde», schrieb Lautenberg und forderte die Kommission auf, eine Anhörung in dieser Sache anzusetzen.
Besagter Vertrag wurde von BP mit der libyschen Regierung abgeschlossen. Ein Sprecher des Konzerns wollte gegenüber CNN die Vorwürfe nicht kommentieren. Auf seiner Website bezeichnet BP den Vertrag im Umfang von 900 Millionen Dollar jedoch als «grösste finanzielle Verpflichtung, die ein internationales Energieunternehmen jemals gegenüber Libyen eingegangen ist». Und der britische Justizminister Jack Straw hatte letztes Jahr eingeräumt, dass Geschäftsinteressen bei der Freilassung Megrahis eine wichtige Rolle spielten.
Brief an britische Regierung
In einem Brief an die britische Regierung verlangte Lautenberg ausserdem zusammen mit seinen Parteikollegen Kirsten Gillibrand und Charles Schumer (New York) sowie Bob Menendez (New Jersey) Auskunft über die Umstände von Megrahis Freilassung. Die britische Botschaft in Washington schrieb in ihrer Antwort, der Entscheid sei «aufgrund der Empfehlung des medizinischen Direktors des schottischen Gefängnis-Dienstes gefallen, basierend auf Gutachten von mehreren medizinischen Experten».