Al ShababDie neue Terrorgefahr aus Somalia
Mit dem Anschlag auf Fussballfans in Uganda hat sich die somalische Islamistengruppe Al Shabab als neuer Terror-Player etabliert. Ihr Führer droht mit weiteren Angriffen.

Weibliche Mitglieder von Al Shabab bei einer Kundgebung am 5. Juli in Mogadischu.
Scheich Muchtar Abu Subair wandte sich in einer Radiobotschaft an den ugandischen Präsidenten Yoweri Museveni. Darin sagte er, dass die Anschläge vom Sonntag erst der Anfang seien. In der ugandischen Hauptstadt Kampala waren während der Übertragung des WM-Finales in einem äthiopischen Restaurant und einem Rugby-Club Sprengsätze explodiert. Dabei kamen 76 Menschen ums Leben.
Die Gruppe Al Shabab, die Verbindungen zu Al Kaida haben soll, bekannte sich zu den Anschlägen und erklärte, sie seien die Rache für die Beteiligung Ugandas an der Friedenstruppe der Afrikanischen Union (AU) in Somalia. Dessen ungeachtet kündigte Museveni an, er wolle weitere 2000 Soldaten entsenden. Bedingung sei allerdings, dass die Gemeinschaft ostafrikanischer Staaten (IGAD) der Truppenverstärkung zustimme.
Nachbarländer als Anschlagsziele
Den ersten Selbstmordanschlag verübten die somalischen Extremisten 2006, auf dem Höhepunkt der Gewalt im Irak. Die Weltöffentlichkeit nahm kaum Notiz. Mit ihrem Bekenntnis zu dem Blutbad in Kampala entpuppte sich Al Schabab (arabisch: die Jugend) nun als neuestes Mitglied der internationalen Terrorszene. «Das heisst nichts Gutes für andere Nachbarländer», warnt Frank van Rooyen vom Südafrikanischen Institut für Internationale Politik. «Es ist zu erwarten, dass sie beginnen, dort weitere Terroranschläge zu verüben.»
Al-Schabab-Sprecher Scheik Ali Mohammed Rage drohte am Montag bereits, dass weitere Anschläge Uganda und Burundi treffen könnten, die Soldaten für die Friedenstruppe in Somalia stellen. Beobachter halten auch Äthiopien, Kenia und Dschibuti für mögliche Anschlagsziele. In Kenia und Burundi wurden die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt. Die Regierung nehme die Drohungen von Al Schabab sehr ernst, sagte ein Sprecher in Burundi.
Radikal wie die Taliban
Das Selbstmordattentat 2006 war auf den früheren somalischen Präsidenten Abdullahi Jussuf Ahmed gemünzt und wurde von ehemaligen Mitgliedern der Union Islamischer Gerichte (Islamic Courts Union - ICU) ausgeführt. Die ICU war eine Oppositionsgruppe, die nach Jahren des Chaos seit dem Sturz des Diktators Siad Barre 1991 in Somalia wieder Ordnung herzustellen versuchte. Der ICU gehörten führende Geistliche und selbst der derzeitige Präsident Scharif Scheik Ahmed an.
Zunächst gemässigt, entwickelte sie nach einem Jahr radikalislamische Züge ähnlich den Taliban in Afghanistan. Die ICU splitterte sich auf; der konservative militante Flügel setzte sich durch und gründete Al Schabab. «Die Gruppe gehörte der Union Islamischer Gerichte an, hatte aber insgeheim immer ihre eigenen, sehr extremen Pläne. Sie konzentrierten sich auf Ausbildung und Bewaffnung», erklärte das frühere ICU-Mitglied Scheich Ahmed Sijad.
Al Schabab versucht die somalische Regierung zu stürzen und kämpft auf den Strassen Mogadischus Tag für Tag gegen Soldaten der Regierung und der Afrikanischen Union. In den vergangenen zwei Jahren sind internationalen Experten zufolge einige Hundert Ausländer mit Kampferfahrung in Afghanistan, Pakistan und im Irak dazugestossen. Auch somalischstämmige US-Bürger wurden rekrutiert und bei Selbstmordanschlägen eingesetzt.
Bis 7000 Mitglieder
Voriges Jahr begannen Angehörige von Al Schabab, der Al Kaida Treue zu schwören. Eines der bekanntesten Mitglieder ist Abu Mansur al Amriki, «der Amerikaner». Die USA, die nach den Anschlägen in Uganda auch Angriffe im eigenen Land nicht ausschliessen, haben die Gruppe schon länger auf dem Schirm. Einer der ersten Anführer, Aden Haschi Ayro, wurde 2008 bei einem amerikanischen Luftangriff getötet. Vorigen September tötete ein US-Kommandotrupp in Südsomalia Saleh Ali Saleh Nabhan, der wegen eines Autobombenanschlags auf ein Strandhotel in Kenia 2002 und des versuchten Abschusses eines israelischen Verkehrsflugzeugs gesucht wurde.
Ein somalischer Geheimdienstler schätzt die Stärke von Al Schabab auf 3000 bis 7000 Mann; laufend stossen ausländische Kämpfer und junge Somalier dazu. Anführer ist Ahmed Abdi Mohammed Godabe, besser bekannt als Abu Subair. Er stammt aus der abtrünnigen Region Somaliland und war früher Buchhalter bei einer Telekommunikationsfirma. Seine Gruppe hat den grössten Teil von Süd- und Zentralsomalia unter Kontrolle, einschliesslich weiter Gebiete der Hauptstadt Somalia. (pbl/dapd)