Patrizia packt ausDirne veröffentlicht heisse Berlusconi-Tapes
Silvio Berlusconis Edel-Escort Patrizia D'Addario hat nicht gelogen: Sie hat tatsächlich ihre Treffen mit dem Cavaliere auf Band mitgeschnitten. Jetzt sind die Aufnahmen erstmals veröffentlicht worden - für Berlusconi ist das eher peinlich.
Diese Tonbandmitschnitte aus seiner Privatresidenz dürften den italienischen Premier ernsthaft in Verlegenheit bringen: Die Aufnahmen, die die Edeldirne Patrizia D'Addario von ihren Treffen mit dem Politiker machte, sind ab sofort auf der Webseite des italienischen Magazins «L'Espresso» abhörbar – samt Berlusconis Aufforderung, das Mädchen möge «in Putins grossem Bett» auf ihn warten. Das Magazin «L'Espresso» veröffentlichte die Aufnahmen vom heissen Treffen am Montag. Die 41-Jährige hatte diese bereits Mitte Juni der linksliberalen Tageszeitung «La Repubblica» zugespielt.
Alles auf Tonband
D'Addario und zwei Freundinnen stehen seit Wochen im Mittelpunkt einer Ermittlung der Staatsanwaltschaft von Bari gegen den apulischen Unternehmer Giampaolo Tarantini, einem Freund Berlusconis. Es geht dabei um Anstiftung zur Prostitution. Sie sei im vergangenen Herbst gemeinsam mit Tarantini zu zwei Partys in Berlusconis Privatresidenz Palazzo Grazioli eingeladen worden, gab sie in einem Interview und vor den Ermittlern an. Dafür seien ihr 2000 Euro versprochen worden. Da sie bei Berlusconi nicht übernachtet hatte, wurden ihr angeblich nur 1000 Euro gezahlt. Ein zweites Mal habe sie bei Berlusconi die Nacht verbracht, aber dafür kein Geld bekommen.
Die 41-jährige D'Addario hatte zu ihrer Entlastung von Anfang an behauptet, ihre Treffen mit Berlusconi mit Tonbändern beweisen zu können.
«Oh, ihr seid so reizend!»
Der erste der fünf Mitschnitte (siehe Linkbox) hält die Begrüssung der jungen Frauen durch den Premier im Oktober 2008 im Ton fest: «Oh, ihr seid ja reizend», sagt er am Anfang. Patrizia D'Addario bedankt sich für das Kompliment. Die anderen fügen hinzu: «Wir sind ganz in Schwarz gekommen.»
Zwei weitere Aufzeichnungen stammen vom 4. November 2008, zwei Wochen nach der ersten Begegnung. Berlusconi und D'Addario sind allein. Er zeigt ihr Zeichnungen, die er gemacht hat und sagt anschliessend: «Ich gehe jetzt duschen. Wenn du vor mir fertig bist, warte in dem grossen Bett auf mich!» Sie fragt: «Welches Bett? In Putins grossem Bett?». «Ja, in dem», antwortet Berlusconi. «Oh, wie schön, so mit den Vorhängen», ist ihr Kommentar. Als Hintergrund tönt das Lied des neapolitanischen Sängers Sal da Vinci «Zoccole, zoccole» - zu deutsch «Nutten, Nutten».
Tags darauf schildert D'Addario Tarantini den Verlauf der Nacht. D'Addario reklamiert, dass «kein Umschlag dabei war». Tarantini will wissen, ob Berlusconi etwas über ihn gesagte hatte: «Ich habe ihm erzählt, dass wir uns seit langem kennen. Habe ich richtig geantwortet?», will sie danach wissen. Tarantini ist zufrieden. D'Addario weiter: «Er hat mir gesagt, er wolle mir eine Freundin vorstellen. Er wolle mich beim Oralsex mit ihr sehen.»
In der letzten Aufnahmen ruft Berlusconi D'Addario an und sie kommentieren den vergangenen gemeinsamen Abend: «Ich musste heute an der Eröffnung einer Ausstellung reden. Ich war gut, sie haben sogar geklatscht ...() und ich sah nicht einmal müde aus.» D'Addario behauptet, sie habe ihre Stimme verloren, «obwohl ich gar nicht geschrien habe». Danach verabschieden sie sich: Berlusconi muss nach Moskau reisen. Er verspricht sie nach der Rückkehr anzurufen.
Opposition attackiert Berlusconi
Die italienische Opposition hat Berlusconi wegen der Berichte über sein Sexleben scharf angegriffen. Der Skandal habe «das Ansehen und die Autorität der italienischen Regierung geschwächt», hiess es in einem am Dienstag im Senat eingebrachten Antrag. Regierungsvertreter werden darin aufgefordert, ihr Privatleben im Einklang mit ihren öffentlichen Äusserungen zu gestalten.
Der Skandal um den Ministerpräsidenten begann bereits Ende Januar, als seine Frau Veronica Lario öffentlich eine Entschuldigung von ihrem Mann verlangte und danach auch ihre Absicht ankündigte, sich scheiden zu lassen. Damals ging es vor allem um die Teilnahme Berlusconis an einer Geburtstagsparty für ein 18-jähriges Mädchen. (kle/dapd)