Ein Striptease zur Beerdigung

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Heisser AbschiedEin Striptease zur Beerdigung

Andere Länder, andere Sitten. In Taiwan werden die Toten mit viel Lärm und viel nackter Haut in den Tod begleitet. Doch die Tradition ist umstritten.

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Heisse Rhythmen, junge Frauen und viel nackte Haut. Beerdigungen in Taiwan haben mit unserer Vorstellung, wie man von einem geliebten Menschen Abschied nimmt, wenig gemein. Während in westlichen Gefilden die Toten mit Kirchenmusik auf dem letzten Weg begleitet werden, tanzen in Taiwan die Puppen.

Auf Lastwagenanhängern, gespickt mit grell leuchtenden Lämpchen in allen Farben, stehen die Frauen, im Bikini oder knappen Kleidchen, geben ein Lied zum Besten und lassen nicht selten die Hüllen fallen. Über die Lautsprecher wird das meist erwachsene Publikum mit fernöstlicher Popmusik beschallt. Es herrscht Feststimmung.

Kluft zwischen Stadt und Land

Der amerikanische Anthropologe Marc L. Moskowitz, Professor an der Universität von South Carolina und Taiwan-Spezialist, hat in seinem Film «Dancing For The Dead: Funeral Strippers In Taiwan» die spezielle Art der Beerdigung dokumentiert (siehe Videos). Dafür hat er Interviews mit Tänzerinnen, Behördenvertretern und Akademikern geführt, wie er der Online-Plattform io9.com erzählt.

In Taiwan ist die Kluft zwischen der bäuerlichen Landbevölkerung und der Grossstadt-Kultur gross. Die «Funeral-Strippers» sind vor allem bei der urbanen Bevölkerung heftig umstritten und auch der Regierung ein Dorn im Auge. Während in den Städten die offenherzigen Mädchen kaum denkbar wären, sind sie auf dem Lande nicht mehr wegzudenken.

Ihren Ursprung haben sie in den frühen 80er Jahren. Die Arbeiterklasse auf dem Land hat damals begonnen mit leuchtenden Wagen und singenden, strippenden Frauen von den Toten Abschied zu nehmen.

Nackt im Verborgenen

Die Darbietungen gehen nicht alle gleich weit. Moskowitz hat bei seinen Beobachtungen drei unterschiedliche Formen festgestellt. Zum einen hat er Frauen im kurzen Rock oder Kleid gesehen, die ihre Lieder singen. Dann aber auch Tänzerinnen im Bikini. Während die einen durch die Gesangsleistungen bestechen, glänzen andere durch ihren Körpereinsatz.

Und dann soll es auch jene Darbietungen geben, bei denen sämtliche Hüllen fallen. Allerdings wurden diese Mitte der 80er Jahre offiziell verboten.

Geister bei Laune halten

Dass sich die Stripp-Beerdigungen solcher Beliebtheit erfreuen, hat mehrere Gründe. Einerseits spielt der Glaube eine wichtige Rolle. Demnach werden die Geister der Verstorbenen durch die lauten Klänge unterhalten und können sich so an ihre neue Umgebung gewöhnen. Die jungen Geister könnten sich so auch von den älteren Geistern befreien. Zudem würden die Trauernden durch die Strippeinlagen länger an den Beerdigungen bleiben, was wiederum den Verstorbenen zu Gute komme.

Die Beerdigungen haben aber auch ganz praktische Gründe. Viele Taiwaner können sich keine Konzerte oder Shows leisten. Bei den Beerdigungen kommt so eine ganze Bevölkerungsgruppe in den Genuss von Unterhaltung. Zudem mögen es die Taiwaner extravagant, wie Moskowitz sagt: «In Taiwan müssen alle Events heiss und laut sein, um ein Erfolg zu werden. Das geht von Strandbesuch bis zur Beerdigung.»

Trailer zu: «Dancing For The Dead: Funeral Strippers In Taiwan»:

(Video: YouTube)

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