Hacker liefert Informanten ans Messer

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Wikileaks-VideoHacker liefert Informanten ans Messer

Das US-Militär hat einen Soldaten verhaftet, der ein Video von einem umstrittenen Kampfeinsatz im Irak veröffentlicht haben soll. Ein Hacker hat ihn verpfiffen.

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Das Bagdad-Video in voller Länge. (Quelle: YouTube/Wikileaks)

Der 22-jährige Bradley Manning, der zuletzt in Bagdad stationiert war, wurde vor zwei Wochen verhaftet. Er sei auf einem US-Stützpunkt in Kuwait in Untersuchungshaft, teilte das Militärkommando in Bagdad mit. «Das Verteidigungsministerium nimmt den Umgang mit geheimen Informationen sehr ernst, weil dies Folgen für unsere nationale Sicherheit und das Leben unserer Soldaten hat», hiess es zu einem Bericht im Online-Magazin «Wired».

Auf der Internetplattform Wikileaks war im April ein Video aufgetaucht, das einen brutalen Angriff auf Zivilisten im Juli 2007 in Bagdad zeigt, bei dem US-Soldaten in ihrem Kampfhelikopter zynische Kommentare abgeben. Zu den mindestens zwölf Menschen, die damals starben, gehörten auch zwei Mitarbeiter der Nachrichtenagentur Reuters. Manning steht unter Verdacht, das Video und weiteres Material der Website zugespielt zu haben. Als Nachrichtensoldat hatte er Zugang zu hochgeheimem Material und profitierte dabei laut «Wired» von schweren Sicherheitsmängeln.

260 000 Dokumente veröffentlicht

Aufgeflogen ist Manning durch einen Tipp von Adrian Lamo, einem ehemaligen Hacker, der 2003 in das Computersystem der «New York Times» eingedrungen war und es damit zu einer gewissen Berühmtheit gebracht hatte. Offenbar habe Manning ein Porträt über ihn in «Wired» gelesen, sagte Lamo in einem Interview mit der «Washington Post». Ende Mai kontaktierte er ihn aus heiterem Himmel – die beiden hatten sich zuvor nicht gekannt.

«Er suchte offenbar jemanden, dem er sich anvertrauen konnte», meinte Lamo. Im Lauf der Online-Konversation brüstete sich der Soldat damit, mehr als 260 000 klassifizierte diplomatische Dokumente veröffentlicht zu haben. Er sei über die Armee und die US-Aussenpolitik verärgert gewesen, so Lamo. Die Dokumente hätten «unglaubliche und schlimme Dinge enthalten, die an die Öffentlichkeit gehören und nicht auf einen Server, der in einer Dunkelkammer in Washington steht», habe Manning argumentiert.

Bald ein weiteres Video?

Adrian Lamo entschied sich, den Soldaten beim FBI anzuzeigen, denn er habe auch Informationen über verdeckte militärische Operationen veröffentlicht. Er fühle sich schlecht deswegen, meinte Lamo, «doch er war wie ein Kind, das mit einer geladenen Waffe spielt». Ein Sprecher von Wikileaks wollte der «Washington Post» nicht bestätigen, dass Manning die Quelle für das Video war. Man kenne die Informanten selber nicht. Im April hatte die Website angekündigt, bald ein weiteres Video eines US-Luftangriffs vom Mai 2009 auf ein Dorf in Afghanistan zu veröffentlichen. Auch dieses soll von Bradley Manning stammen.

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