WeltklimagipfelKlima-Pionier hofft auf Scheitern in Kopenhagen
Seit bald zwei Jahrzehnten bemüht sich die Welt um den Klimaschutz. Der Weg begann in Rio und führte über Kyoto nach Kopenhagen. Dort soll ein neues Abkommen aufgegleist werden. Ein Pionier der Klimaforschung allerdings sieht schwarz. Er will den Weltklimagipfel boykottieren.
Eigentlich begann alles schon vor 30 Jahren, an der ersten Weltklimakonferenz von 1979 in Genf. Bereist damals wurde auf «gravierende langfristige Veränderungen des globalen Klimas» hingewiesen. Die Zunahme des Kohlendioxid-Gehaltes in der Atmosphäre verdiene «die höchste Aufmerksamkeit der internationalen Staatengemeinschaft», hiess es. Wirklich gehandelt aber wurde erst 1992. Am UNO-Umweltgipfel in Rio de Janeiro wurde die Klimarahmenkonvention verabschiedet und von 192 Staaten ratifiziert.
Vereinbart wurde, dass sich «die Ökosysteme auf natürlich Weise den Klimaänderungen anpassen können». In der Folge fanden jährlich Klimakonferenzen statt. Ein Meilenstein war jene von 1997 im japanischen Kyoto. Das dort verabschiedete Protokoll gilt als erster konkreter Schritt, um die Ziele der Rio-Konvention umzusetzen. Die Industrienationen verpflichteten sich, ihre Treibhausgas-Emissionen bis 2012 um mindestens fünf Prozent gegenüber dem Stand von 1990 zu verringern. Entwicklungsländer erhielten keine Auflagen.
Kyoto-Nachfolgeabkommen angestrebt
In Kraft trat das Kyoto-Protokoll jedoch erst im Februar 2005, nachdem es von Russland ratifiziert wurde. Damit wurde die Vorgabe von mindestens 55 Staaten, die mehr als 55 Prozent der CO2-Emissionen von 1990 verursachen, erfüllt. Nicht dabei sind die USA als grösster Verursacher von Treibhausgasen. Präsident Bill Clinton hatte das Protokoll ursprünglich unterschrieben, doch unter seinem Nachfolger George W. Bush wurde die Ratifizierung gestoppt. Heute machen 183 Staaten beim Kyoto-Protokoll mit.
Weil es 2012 ausläuft, soll am Weltklimagipfel vom 7. bis 18. Dezember in Kopenhagen ein Nachfolgeabkommen verabschiedet werden. Doch daran glaubt niemand mehr, zu viele Streitpunkte sind offen. Jetzt geht es um eine Art Grundsatzbeschluss, den die Experten in den Folgemonaten zu einem Vertrag ausformulieren sollen. Was bislang auf dem Tisch liegt, genüge nicht, mahnt UNO-Klimachef Yvo de Boer.
So muss klar sein, welches Land seinen CO2-Ausstoss um wie viel Prozent zu reduzieren gedenkt. Das heisst, dass sich die grössten Wirtschaftsmächte auf Zahlen festlegen lassen sollen. Darunter sind die USA, China, die EU, Japan, Russland, Mexiko, Indien, Australien, Brasilien, Südafrika, der Iran und Kanada. Zum Anderen muss der Finanz- und Technologietransfer aus dem reichen Norden für Klimamassnahmen im Süden ausreichen, um die Entwicklungsländer zum Mitmachen zu bewegen. An beidem könnte es scheitern.
Plädoyer für Scheitern und Neuanfang
Genau darauf hofft ein Pionier der Klimaforschung. Er werde die Konferenz boykottieren, sagte James Hansen gegenüber britischen Medien. Der NASA-Forscher warnte bereits in den frühen 80er Jahren vor den Gefahren der globalen Erwärmung und sagte die Entwicklung korrekt voraus. Ihm geht es um das Grundsätzliche: Hansen lehnt den von den Industriestaaten angestrebten «Ablasshandel» mit Emissions-Zertifikaten vehement ab.
Die Regierungen könnten ihre Versprechungen ohnehin nicht einhalten, sagte Hansen und verwies auf die Erfahrungen mit dem Kyoto-Protokoll. Deshalb wäre ein Scheitern des Gipfels und ein Neuanfang besser. «Das Grundproblem ist, dass die fossilen Brennstoffe die billigste Energieform sind», sagte der 68-Jährige der «Times». Er plädiert für eine CO2-Steuer, die von Jahr zu Jahr ansteigen soll. (pbl/sda)