PakistanProtest gegen Gnade für Christin
Der pakistanische Präsident will eine wegen Gotteslästerung zum Tode verurteilte Christin offenbar begnadigen. Prominente Muslimführer drohen mit Protesten.

Am Sonntag demonstrierten in Lahore die Befürworter einer Begnadigung (links), am Mittwoch die Gegner.
Bereits am Mittwoch haben rund 250 Muslime gegen die mögliche Begnadigung demonstriert. Die Teilnehmer des Protests in der Stadt Lahore verteidigten zugleich das Blasphemiegesetz, das im Verruf steht, gegen Minderheiten anderer Glaubensrichtungen eingesetzt zu werden. Die 45 Jahre alte Asia Bibi wurde in diesem Monat zum Tod durch den Strang verurteilt, könnte aber von Präsident Asif Ali Zardari begnadigt werden.
Die fünffache Mutter sitzt bereits seit eineinhalb Jahren hinter Gittern, weil sie Jesus über den Propheten Mohammed gestellt haben soll. Sie macht geltend, die Vorwürfe gingen auf einen Streit mit einer Gruppe muslimischer Frauen zurück. Neben verschiedenen Menschenrechtsgruppen hat auch Papst Benedikt XVI. ihre Freilassung gefordert.
«Sie ist unschuldig»
Selbst pakistanische Regierungsmitglieder räumen ein, dass die Verurteilung zu Unrecht erfolgte. «Ich habe den Fall untersucht und bin zum Schluss gekommen, dass Bibi unschuldig und die Klage ohne Grundlage erfolgt ist», sagte Shahbaz Bhatti, der Minister für Minderheiten, gegenüber CNN. Ein Sprecher von Asif Ali Zardari sagte am Mittwoch, der Präsident werde sie begnadigen, falls das Oberste Gericht das Urteil nicht revidiere.
Eine Begnadigung birgt für Zardari ein gewisses politisches Risiko, ist seine Koalitionsregierung doch auf eine islamistische Partei im Parlament angewiesen. Prompt warnten benfalls am Mittwoch zwei prominente Muslimführer, Muneer Ur Rehman und Haafis Ibtisam Elahi Zaheer, den Präsidenten vor einer solchen Entscheidung. Sie drohten mit nationalen Protesten und warnten vor Spannungen zwischen den Religionen. (pbl/dapd)