Was, wenn Mahmud Steine wirft?

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StaatsbesuchWas, wenn Mahmud Steine wirft?

Nächste Woche wird der iranische Präsident Ahmadinedschad im Libanon erwartet. Israel befürchtet, an der Grenze könnte es zu Provokationen kommen.

Kian Ramezani
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Kian Ramezani
«Kein Gottesstaat im Libanon» und «Herzlich willkommen»: In Beirut gehen die Meinungen über den Besuch des iranischen Präsidenten auseinander.

«Kein Gottesstaat im Libanon» und «Herzlich willkommen»: In Beirut gehen die Meinungen über den Besuch des iranischen Präsidenten auseinander.

Dass Mahmud Ahmadinedschad die grossen Bühnen dieser Welt behagen und er sie zu öffentlichkeitswirksamen Auftritten zu nutzen weiss, ist bekannt. Kommende Woche könnte sein nächster Coup anstehen, wenn er dem Libanon einen offiziellen Staatsbesuch abstattet und damit zum ersten Mal ein Nachbarland des Erzfeindes Israel betritt. Über die Reiseroute des iranischen Präsidenten ist nichts Offizielles bekannt. Es gilt aber als sicher, dass er auch in den Süden des Landes reisen wird, der von der verbündeten Hisbollah-Miliz kontrolliert wird. Gerüchten zufolge wird er sich bis an den Grenzzaun vorwagen und symbolisch Steine nach Israel werfen, wie das Aktivisten immer wieder tun.

Israel reagiert nervös auf solche Aussichten und hat die libanesische Regierung indirekt aufgefordert, auf einen Besuch der südlichen Gebiete zu verzichten. Auch die amerikanische Aussenministerin Hillary Clinton soll das Thema mit dem libanesischen Staatspräsidenten Michel Suleiman aufgenommen haben. Laut iranischen Medien hat dieser die israelischen und amerikanischen Forderungen mit Verweis auf die Souveränität Libanons zurückgewiesen. Ein möglicher Kompromiss wäre, den Besuch auf Infrastrukturprojekte zu beschränken, die vom Iran finanziert worden sind. Diese befinden sich zwar auch im Süden des Landes, aber einige Kilometer vom Grenzzaun entfernt.

Kommandoaktion an der Grenze

Die Lage an der israelisch-libanesischen Grenze bleibt auch zehn Jahre nach dem Rückzug Israels und vier Jahre nach dem Ende des Libanonkriegs äusserst angespannt. Erst im August dieses Jahres waren bei einem Scharmützel fünf Personen getötet worden. Damals entzündete sich die Gewalt an einem läppischen Baum. Wer wagt sich auszumalen, was passiert, wenn Israels erklärter Staatsfeind Nummer eins an der Grenze auftaucht? Denn auch in Israel gibt es Stimmen, die den Konflikt im Vorfeld anheizen. Die israelische Tageszeitung «Haaretz» schlug in einem Editorial vor, die einmalige Gelegenheit zu nutzen und Ahamdinejad mit einer Kommandoaktion nach Israel zu entführen. Dort könnte er wegen Anstiftung zum Völkermord vor Gericht gestellt werden. Ob ernst gemeint oder nicht, die staatliche iranische Presse nahm die Meldung umgehend in ihre Berichterstattung über den bevorstehenden Besuch auf.

«Iranische Mittelmeerbasis»

Auch im Libanon selbst steigt derweil die Nervosität. In Anspielung auf die engen Beziehungen zwischen Iran und der schiitischen Hisbollah-Miliz beschuldigte die grösste Fraktion im libanesischen Parlament Ahmadinedschad, er betrachte Libanon als eine «iranische Mittelmeerbasis». Innenpolitisch kommt der Besuch zu einem äussert heiklen Zeitpunkt. Offenbar stehen Anklagen gegen Hisbollah-Mitglieder bevor, die in die Ermordung des ehemaligen Premierministers Rafik al-Hariri verwickelt sein sollen, des Vaters des aktuellen Premierministers Saad Hariri.

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