SMS aus Todesflieger: «Bye. Wir erfrieren.»

Aktualisiert

SMS aus Todesflieger: «Bye. Wir erfrieren.»

Die Bergungsarbeiten an der Absturzstelle der zyprischen Boeing 737 sind in der Nacht auf heute fortgesetzt werden. Bis am Morgen wurden 112 Leichen aus den Trümmern der am Vortag abgestürzten Maschine geborgen.

Die Arbeiten würden dadurch erschwert, dass die neun fehlenden Leichen sich unter einem Teil des Rumpfs der abgestürzten Maschine befinden, berichtete das griechische Radio. Von den 115 Passagieren und 6 Besatzungsmitgliedern an Bord der Maschine der zyprischen Charterfluggesellschaft Helios Airways überlebte niemand den Absturz am Sonntag.

Die Identifikation der Opfer durch Angehörige sollte nach Angaben des griechischen Gesundheitsministeriums erst gegen Montagmittag beginnen. Ein Flugzeug mit Angehörigen der überwiegend zyprischen Opfer soll am Montagvormittag in Athen eintreffen.

Absturzursache weiterhin unklar

Die Boeing 737 der Cypriot Helios Airlines stürzte gegen 12.20 Uhr (11.20 Uhr MESZ) in den Bergen nördlich von Athen nahe der Küstenstadt Grammatikos ab.

Offenbar wegen Sauerstoffmangels nach dem Abfall des Kabinendrucks waren beide Piloten bewusstlos, wie die Behörden mitteilten. Die Maschine flog offenbar eine ganze Weile führerlos, an Bord müssen sich dramatische Szenen abgespielt haben.

Es gebe keine Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund, erklärte die zyprische Regierung. Näheren Aufschluss über die Unglücksursache erhoffen sich die Ermittler vom Flugschreiber und dem Tonband mit den aufgezeichneten Gesprächen im Cockpit. Beide so genannte Blackboxes wurden nach einem Bericht des staatlichen Fernsehsenders NET schon mehrere Stunden nach dem Absturz gefunden.

Begleit-Jet inspizierte Cockpit

In der Maschine befanden sich 115 Passagiere und sechs Besatzungsmitglieder. Der Flug HCY 522 sollte von der zyprischen Stadt Larnaka zunächst nach Athen und dann nach Prag gehen. Nachdem der Kontakt zu den Fluglotsen abgebrochen war, liess die griechische Luftwaffe zwei F-16-Kampfjets aufsteigen, um der Maschine zu helfen. Ein Radiosender berichtete, die Luftwaffenpiloten hätten vor dem Absturz in das Cockpit der Boeing sehen können. Die Piloten hätten sich nicht bewegt. Auf Funksignale habe das Cockpit nicht mehr reagiert.

Der Cousin eines Passagiers sagte dem Sender Alpha, er habe kurz vor dem Absturz eine SMS erhalten. «Die Piloten sind bewusstlos», habe es darin geheissen. «Mein Cousin, ich sage lebe wohl. Wir erfrieren.» Der Bürgermeister von Grammatikos, Georgios Papageorgiou, meldete sich von der Unfallstelle. «Überall sind Trümmer, der Rumpf ist total zerstört», sagte er. «Das Flugzeugwrack stürzte in eine Schlucht. Nur das Heck ist noch zu erkennen.» Rettungskräfte und Anwohner suchten stundenlang verzweifelt nach Überlebenden.

Absturz nahe Wohngegend

An der Absturzstelle brachen mehrere kleine Brände aus. «Das Feuer brennt immer noch», sagte Feuerwehrchef Christos Smetis am Nachmittag. Ein Gemeindesprecher sagte, die Absturzstelle liege nur 400 Meter von Wohnhäusern entfernt. Der griechische Ministerpräsident Konstantinos Karamanlis und der zyprische Präsident Tassos Papadopoulos sagten nach der Nachricht von dem Unglück ihren Urlaub ab.

Die Berichte über Kälte in der Kabine deuteten auf einen Druckabfall und einen damit einhergehenden Sauerstoffmangel hin, wie der stellvertretende Chefredakteur des britischen Fachmagazins «Air Transport Intelligence», David Kaminski Morrow, sagte. Normalerweise würden in solch einem Fall automatisch die Sauerstoffmasken aktiviert, die es der Besatzung ermöglichten, die Maschine auf etwa 3.050 Meter herunterzubringen. In dieser Höhe reicht die normale Luft zur Atmung aus. «Die entscheidende Frage ist, in welcher Höhe spielte sich alles ab?», sagte Kaminski Morrow. Der Fernsehsender NET zitierte den zyprischen Verkehrsminister Haris Thrasou mit den Worten, die Maschine habe bereits in der Vergangenheit Probleme mit dem Kabinendruck gehabt.

Schrott-Airline?

Helios Airways wurde 1999 als erste private Fluggesellschaft Zyperns gegründet. Sie unterhält eine Boeing-737-Flotte und bietet Flüge zwischen Zypern und zahlreichen Städten in Europa an.

Weiterlesen:Angehörige randalieren in Larnaka

(dapd)

Deine Meinung zählt