Ex-SBB-Chef«Jeder neue Zug hat eine Raucher-Lounge»
Er setzt auf Wifi und getrennte WCs: Benedikt Weibel mischt mit «seiner» Westbahn Österreich auf. Im Interview erklärt er, warum Wlan für die Bahnen matchentscheidend sein könnte.
In knapp drei Wochen verkehrt die Westbahn erstmals auf der Strecke Wien-Salzburg. Sind Sie schon aufgeregt?
Benedikt Weibel: Die komplett auf der «grünen Wiese» aufgebaute Westbahn ist ein Bähnler-Experiment. Darum bin ich schon nervös, ob am 11. Dezember alles klappt. Nicht zuletzt, da in der Schweiz und in Österreich einige Leute Freude hätten, wenn ich als Aufsichtsratspräsident mit dem Projekt auf die Nase fallen würde.
Als ehemaliger SBB-Chef verfolgen Sie auch die Diskussion um Wlan in Schweizer Zügen. Weshalb setzt die Westbahn von Anfang an auf Gratis-Internet in allen Klassen?
Wir haben bereits mit der Bestellung der Stadler-Doppelstockzüge entschieden, unseren Kunden diesen Service kostenlos anzubieten. Die Bedürfnisse der Pendler haben sich in den letzten Jahren rasant verändert. Passagiere erwarten heute, im Zug surfen zu können. So wird der Zug zum mobilen Büro, das ist schliesslich einer der ganz grossen Trümpfe der Bahn im Vergleich zum Auto.
Wie viel lassen Sie sich den Wifi-Service kosten?
Der Aufwand ist gross: Auf jedem Wagen sind 22 Aussenantennen, 24 Innenantennen und 24 Access-Points installiert. Insgesamt investierten wir für Wlan 950 000 Euro in die sieben brandneuen Züge (à 7 Wagen, die Red.). Damit fahren wir aber viel günstiger, als wenn wir wie die SBB alte Wagen nachrüsten müssten. Für die SBB wäre dies eine riesengrosse Investition.
Bei den SBB dauert es noch drei Jahre, bis die ersten neuen Züge mit Wlan fahren. Zu lange?
Es ist nicht meine Aufgabe, den SBB Ratschläge zu erteilen. Ich kann mich hingegen noch erinnern, dass wir bei den SBB Ende der 1980er-Jahren in einigen Zügen die Toiletten herausgerissen und Telefonkabinen eingebaut haben. Damals wollten die Passagiere endlich in den Zügen telefonieren können. Mit dem Aufkommen der Handys hat sich das Problem dann von selbst erledigt.
Nicht wenige Schweizer belächeln die österreichischen Bahnen. Zu Recht?
Im Gegensatz zur Schweiz, wo die SBB ein grosses Ansehen geniessen, hat die Bahn in Österreich tatsächlich einen schlechten Ruf. Es verkehren viel weniger Züge als in der Schweiz. Deshalb beträgt der Marktanteil der Bahn auf der Hauptstrecke Salzburg-Wien nur gerade 35 Prozent. Zum Vergleich: Zwischen Bern und Zürich fahren 80 Prozent der Pendler mit dem Zug, nur 20 Prozent nehmen das Auto.
Mit der Privatbahn wollen Sie neue Bahnkunden gewinnen. Welche Überraschungen hat Westbahn für die Passagiere auf Lager?
Die Kompositionen verfügen etwa über getrennte Damen- und Herrentoiletten. Zudem haben wir in jeden Zug eine Raucherlounge eingebaut, fast wie im Flughafen. Damit hoffen wir, Passagiere zum Umsteigen auf die Bahn zu bewegen.

Zur Person
Sozialdemokrat doziert zudem an der Uni Bern.