Verdachtsfall von Schweinegrippe im Aargau

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AusbreitungVerdachtsfall von Schweinegrippe im Aargau

Die Schweiz hat den ersten behördlich bestätigten Schweinegrippe-Verdachtsfall: Es handelt sich um einen aargauischen Ferienrückkehrer aus Mexiko. Das Universitätsspital Zürich hat inzwischen seine Quarantänestation aktiviert.

Der im Raum Baden wohnhafte junge Mann meldete sich am Montagmorgen bei seinem Hausarzt, wie die stellvertretende Aargauer Kantonsärztin Maria-Ines Carvajal auf Anfrage sagte. Er habe über 38 Grad Fieber sowie Erkältungs- beziehungsweise Grippesymptome gehabt. Weil er alle Kriterien des Bundesamts für Gesundheit (BAG) für einen Verdachtsfall erfüllt habe, sei er ins Kantonsspital Baden gebracht worden.

Dort wurde er isoliert, um die Möglichkeit einer Ansteckung zu verhindern, wie es in der Mitteilung des kantonalen Departements Gesundheit und Soziales heisst. Das Spital sei entsprechend eingerichtet, und es bestehe kein Risiko für die anderen Menschen, sagte die stellvertretende Kantonsärztin. Voraussichtlich innerhalb von zwei Tagen werden die Laborbefunde vorliegen, die Aufschluss über die Art der Erkrankung geben werden. Die Laboranalysen werden gemäss Carvajal im Nationalen Zentrum für Influenza in Genf vorgenommen. Es sei entsprechend eingerichtet und könne den neuen Typ der Schweinegrippe nachweisen. Die Proben gingen noch am Montag von Baden nach Genf.

Es handelt sich um den ersten behördlich bestätigten Verdachtsfall von Schweinegrippe in der Schweiz. Das BAG hatte zuvor von Abklärungen in fünf Fällen gesprochen, aber noch keine konkreten Verdachtsfälle bestätigt.

Quarantänestation in Zürich aktiviert

Am Universitätsspital Zürich führt die Schweinegrippe zu ersten Massnahmen: Es hat am Sonntag die Quarantänestation aktiviert, wie Christian Ruef, Infektologe und Leiter der Spitalhygiene, gegenüber 20 Minuten Online sagt. Dazu wurden bei zwei Zimmern Zutrittsschleusen eingebaut und die Lüftung umgerüstet, so dass die Luft des Zimmers gefiltert wird. Diese technisch recht aufwendige Installationen stehen seit der Sars-Krise bereit. Diese Einrichtung reicht nur zur Isolierung einzelner Verdachtsfälle. Bei einer grösseren Zahl von Patienten müssten ganze Bettenstationen vom übrigen Betrieb abgetrennt werden, sagt Ruef. Im Universitätsspital Zürich sind bisher keine Personen mit Verdacht auf die Schweinegrippe hospitalisiert. Andere Spitäler haben ebenfalls Massnahmen ergriffen (20 Minuten Online berichtete).

Annullationen und Umbuchungen von Ferienreisen möglich

Wer wegen der Schweinegrippe nicht nach Mexiko reisen mag, muss weder um Ferien noch Feriengeld fürchten. Schweizer Reisebüros annullieren Reisen nach Mexiko-Stadt kostenlos oder buchen kulant um, wie sie am Montag mitteilten.

Bei Kuoni, dem grössten Reisekonzern der Schweiz, werden Reisen nach Mexiko-City und Rundreisen, welche die Stadt tangieren, bis am 4. Mai kostenlos annulliert, wie Mediensprecherin Andrea Müller der Nachrichtenagentur SDA am Montag sagte.

Nicht betroffen seien Reisen in Badedestinationen wie die Yucatan-Halbinsel, Cancun oder Playa del Carmen. Wer sich dort allerdings nicht hingetraut, kann bei Kuoni spesenfrei auf eine andere Destination umbuchen, erklärte Müller weiter.

Arztbesuch für Heimkehrer empfohlen

Anonsten verweist Kuoni auf die Verhaltenstipps des Bundesamts für Gesundheit und rät Heimkehrern aus Mexiko zum Arztbesuch, sollten sie sich unwohl fühlen. Kuoni halte steten Kontakt zu den Betreuerinnen und Betreuern der Gäste vor Ort.

Kostenlose Annullationen und Umbuchungen gibt es auch bei der Migros-Reisetochter M-Travel. Das Angebot einer kostenlosen Annullation betrifft die Destination Mexiko-City und Rundreisen, welche die Stadt berühren, mit Abreisedatum zwischen dem 27. April und dem 4. Mai. Spesenfreies Umbuchen auch für die Badeferienorte ist möglich.

(ap/sda/mdr)

Haben Sie Angst vor der Schweinegrippe?

Stefan Freivogel (19), Zürich

Nein, eigentlich nicht. Wir sind hier in der Schweiz und ich fühle mich absolut sicher. Erst wenn das Bundesamt für Gesundheit eine Warnung herausgäbe, würde ich mir ernsthaft Sorgen machen.

Irina Baumann (19), Kirchberg (SG)

Hier in der Schweiz mache ich mir überhaupt keine Sorgen. Bald reise ich aber für einen zweimonatigen Sprachaufenthalt nach Toronto, Kanada. Da habe ich schon ein etwas komisches Gefühl im Bauch.

John Hofer (18), Diegten (BL)

Es ist doch wieder das gleiche Drama wie bei der Vogelgrippe: Zuerst wird das Thema enorm hochgepuscht, schliesslich ist die Gefahr für die Schweizer Bevölkerung aber klein. Ich habe jedenfalls keine Angst.

Tina Mitrovic (19), Kriens (LU)

Ich habe grosse Angst, weil die Ansteckungsgefahr so gross ist. Ich glaube, wir können diese Epidemie nicht stoppen. Sobald es in der Schweiz Erkrankungen gibt und es möglich ist, werde ich mich impfen lassen.

Simon Grünig (26), Bern

Trotz ersten Verdachtsfällen in der Schweiz reagiere ich nicht panisch auf das Ganze. Ich komme auch nicht in Berührung mit Leuten, die aus Mexiko oder den Südstaaten der USA zurückkehren.

Karte: Die Ausbreitung der Seuche

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