Steueraffäre: CH-Banken wollen keine Deutschen mehr einstellen
Deutschen Arbeitskräften stehen auf dem Finanzplatz Schweiz möglicherweise harte Zeiten bevor. Deutsche Spione bei Schweizer Banken seien nicht auszuschliessen, so Michel Derobert von der Privatbankier-Vereinigung.
Wegen der Steueraffäre dürften die Banken in der Deutschschweiz bei der Einstellung von deutschen Staatsbürgern zurückhaltender werden, sagte der Geschäftsführer der Vereinigung Schweizerischer Privatbankiers, Michel Derobert, in einem Interview der Westschweizer Zeitung «Le Matin». Er bezog sich auf den Umstand, dass die deutschen Behörden gestohlene Kundendaten aus Liechtenstein gekauft hatten. Solche Methoden seien verwerflich. Jede gut geführte Bank tue deshalb gut daran, alle Mitarbeiter, die Zugang zu sensiblen Daten hätten, mit Sorgfalt auszuwählen.
Auf die Frage, ob es deutsche Spione in Schweizer Banken habe, sagte Derobert, dies sei nicht auszuschliessen. Es wäre aber höchst bedauerlich. Solche Personen riskierten zudem dreijährige Freiheitsstrafen wegen Verletzung des Bankgeheimnisses. Die Kritik deutscher Politiker am Bankgeheimnis und an der Schweizer Unterscheidung zwischen Steuerbetrug und Steuerhinterziehung wies der Verbandsvertreter zurück. Er verwies auf das Zinsbesteuerungsabkommen zwischen der Schweiz und der EU und rief Deutschland dazu auf, die internationalen Abkommen einzuhalten. Folgen der deutschen Steueraffäre für den Finanzplatz Schweiz seien im Moment nicht zu befürchten. Es handle sich vor allem um politische Aufgeregtheit, sagte Derobert. (dapd)