Post vom DespotenAus dem frivolen Leben der Familie Assad
Private E-Mails von Baschar al-Assad zeigen, wie sich Syriens Präsident über seine eigenen Reformversprechen lustig macht. Und wie seine Frau trotz Bürgerkrieg schamlos dem Luxus frönt.

Asma und Baschar al-Assad bei der Abstimmung über die Verfassungsreform, von der der Präsident offenbar wenig bis gar nichts hält.
Im Februar hat die israelische Zeitung «Haaretz» über Mails aus dem Büro von Baschar al-Assad berichtet, die von der Hackergruppe Anonymous behändigt worden waren. Nun doppelt der britische «Guardian» nach. Er hat nach eigenen Angaben Einblick in mehr als 3000 Mails erhalten, die von privaten Konten des syrischen Präsidenten und seiner Frau Asma heruntergeladen wurden. Sie seien von Mitgliedern des Obersten Revolutionsrats von Juni 2011 bis Februar 2012 abgefangen worden. Ein «Maulwurf» aus Assads innerem Kreis habe ihnen die Adressen und Passwörter zugespielt, schreibt der «Guardian».
Die Mails zeigen, ähnlich wie jene von «Haaretz», dass sich Assad vom Verbündeten Iran beraten lässt. So sei ihm vor einer Rede im Dezember empfohlen worden, eine «starke und brachiale» Ausdrucksweise zu verwenden. Ein weiterer Berater soll den Präsidenten bereits im November dazu gedrängt haben, den Würgegriff um die Protesthochburgen Homs und Idlib zu verstärken. Wie wenig Assad von seinen eigenen Reformversprechen hält, macht eine Bemerkung über «nutzlose Gesetze zu Parteien, Wahlen, Medien» deutlich.
Exil-Angebot aus Katar
Aus den Mails von Asma al-Assad geht offenbar hervor, dass die Präsidentengattin lange einen regen Austausch mit Mayassa al-Thani pflegte, einer Tochter des Emirs von Katar. Dieser habe Anfang Jahr abrupt geendet, nachdem Thani den Assads offen zum Gang ins Exil geraten habe. Der Emir von Katar ist einer der schärften Kritiker von Assad. Die Dokumente zeigen auch, dass Asma, die lange als Hoffnungsträgerin für ein modernes Syrien galt, sich auch in Zeiten der Revolte gerne mit Luxus umgibt. So soll sie in Paris für rund 15 000 Franken Kerzenhalter, Tische und Kronleuchter bestellt haben.
Auch Baschar ist den schönen Seiten des Lebens weiter zugetan, er soll Musik bei iTunes gekauft haben, über eine Drittadresse, um die US-Sanktionen zu umgehen. Der Despot soll sich ein Netzwerk von Getreuen geschaffen haben, die ihm direkt auf seine private Adresse berichten, vorbei am Sicherheitsapparat und seinem Clan. Diese Praxis übernahm er laut «Guardian» von Vater Hafis al-Assad, der sich stets aus mehreren Quellen informieren liess, um zu verhindern, dass jemand in seinem Umfeld zu mächtig und ihm gefährlich wurde.
Anonymous funkte dazwischen
Der «Guardian» soll die Echtheit der Mails intensiv geprüft haben, unter anderem durch Nachfrage bei zehn Personen, die darin genannt werden. «Die Abklärungen lassen darauf schliessen, dass die Dokumente echt sind, obwohl es nicht möglich war, jedes einzelne zu verifizieren», schreibt die Zeitung.
Offenbar war es den Oppositionsaktivisten gelungen, den Mailverkehr der Assads quasi in Echtzeit zu verfolgen. Doch nach dem unabhängig davon erfolgten Hackerangriff von Anonymous war abrupt Schluss. Einer der Hacker, vermutlich ein Saudi, hatte ein Droh-Mail an Assads Adresse geschickt, diese wurde darauf deaktiviert.
Eine für die Assads verheerende Enthüllung hat die monatelange Überwachung allerdings nicht zu Tage gebracht, wie die Aktivisten selber einräumen. Dafür zeichnen sie das Bild eines isolierten Herrschers, der «zwischen Selbstmitleid, Durchhaltewillen und Frivolität hin und her schwankt». So soll er mit seiner Frau und seinen Vertrauten Links zu witzigen Videos ausgetauscht haben, darunter ein YouTube-Clip, in dem die Belagerung von Homs mit Spielzeug und Biskuits nachgestellt und die Opposition lächerlich gemacht wird.