Bern«Hoffentlich hat ein Grafiker eine geniale Idee»
Geschlechterkampf im Strassenverkehr: Der Bund will die Männchen und Weibchen auf den Strassenschildern durch geschlechtsneutrale Figuren ersetzen. Nicht überall kommt dies gut an.
Das Bundesamt für Strassen (Astra) will den Schilderwald abbauen und die Verkehrsregeln entrümpeln (siehe Box). Die Anhörung, die der Bundesrat gestern eröffnet hat, dauert bis am 15. Mai.
Doch bereits jetzt sorgt ein Vorschlag für rote Köpfe: Die Abbildungen auf den Signalen sollen nämlich laut Astra künftig geschlechtsneutral sein. «Wir haben diverse Reaktionen erhalten, man sei doch im 21. Jahrhundert, die Männchen hätten daher ausgedient», erklärt Astra-Sprecher Thomas Rohrbach. Die Schilder würden nicht auf einen Schlag ersetzt, sondern erst, wenn sie ihre Lebensdauer erreicht hätten. Wie die Unisex-Figuren genau aussehen werden, ist unklar. Rohrbach: «Es könnten Strich- oder Balkenfiguren sein – oder hoffentlich hat ein Grafiker eine geniale Idee.»
Für Ulrich Giezendanner, der seit Jahren einen Abbau der Strassenschilder fordert, ist der Vorschlag eine Geldverschwendung und ein absoluter Blödsinn: «Wie sollen die Schilder sinnvoll gestaltet werden – auf einer Seite ein Hosenbein, auf der anderen ein Rock?» SP-Nationalrätin Doris Stump, die schon mit ihrer Forderung für Aufregung sorgte, das Wort «Fussgängerstreifen» durch das geschlechtsneutrale «Zebrastreifen» zu ersetzen, begrüsst die Bemühungen: «Man muss von der Männerperspektive wegkommen, denn auch Frauen sind im öffentlichen Raum präsent.» Insbesondere der Mann mit dem Kind an der Hand als Sujet für den Fussweg sei störend.
Schilderwald soll sich lichten
- Tempo 50 soll ab Ortschaftsstafel gelten und nicht mehr separat
mit «Höchstgeschwindigkeit 50 generell» angezeigt werden.
- Grünes Licht soll in jedem Fall mit gelben Blitzlicht ergänzt werden, wenn der Vortritt einem anderen Verkehrsteilnehmer zusteht, der auch Grün hat.
- Gefahrensignal «Fussgängerstreifen» soll aufgehoben werden. Gefährliche Zebrastreifen müssen saniert oder sonst aufgehoben werden.
- Die linke Fahrbahn auf Autobahnen soll nur noch für Autos zulässig sein, die mindestens 100 km/h fahren. Bisher waren es mindestens 80.
- Vortrittssignale «Einfahrt von rechts» und «Einfahrt von links» auf Autobahnen und Autostrassen soll es künftig nicht mehr geben.
- Das Gefahrensignal «Flugzeug» zur Warnung vor tieffliegenden Flugzeugen soll aufgehoben werden.
- Das Gefahrensignal «Distanzbalken» vor Bahnübergängen wird ebenfalls gestrichen.