Die Familie mit dem Notlandungs-Gen

Aktualisiert

Sullenberger/SollbergersDie Familie mit dem Notlandungs-Gen

Mit heiklen Momenten in der Luft ist Hans Sollberger aus dem bernischen Wynigen vertraut. Mit Sully, dem Helden der Notlandung im Hudson River, teilt er wohl noch mehr: den Stammbaum.

Simone Hubacher
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Simone Hubacher

New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg ehrte ihn mit dem Schlüssel der Stadt. Ein anonymer Bewunderer spendete 10 000 Dollar für eine Statue des Piloten. Einen Wikipedia-Eintrag sowie zahlreiche Fan-Seiten bei Facebook gibt es mittlerweile auch schon. Seit Chesley «Sully» Sullenberger eine Airbus 320 meisterhaft im Hudson River landete, wird er als Held gefeiert.

Nur wenige Stunden nach der spektakulärsten Landung der neueren Luftfahrt-Geschichte geriet auch ein gewisser Hans Sollberger aus Wynigen in den Mittelpunkt des Interesses. Ein deutscher Namensforscher fand heraus, dass die Wurzeln des gefeierten Piloten im Kanton Bern liegen. Genauer: Chesley Sullenberger hat Vorfahren aus Wynigen, die 1737 in die USA ausgewandert waren. Und die Chancen stehen gut, dass Sollberger mit «Sully» verwandt ist: Er gehört einem Stamm an, der immer in Wynigen gelebt hat. Ob durch seine Adern tatsächlich dasselbe Blut fliesst, weiss er noch nicht genau. «Jetzt will ich aber Ahnenforschung betreiben», sagt Sollberger.

Auch mit Notlandungserfahrung

Dass sie aus demselben Holz geschnitzt sind, er, Hans Sollberger und «Sully», der «Held vom Hudson», das kann er aber schon jetzt sagen. Denn der Mann aus Wynigen war selber jahrelang Pilot. Und auch er hat als solcher unliebsame Erfahrung mit einer Notlandung gemacht. Während eines heissen Augusttags brach während eines Rundflugs ein heftiges Gewitter aus. «Ich sass am Steuer eines Sportfliegers des Typs Beechcraft Musketeer. Die drei Gäste – ein Mann und seine zwei Kinder – waren zuvor noch nie geflogen», erinnert sich der 72-Jährige. Der Pilot im kleinen Flugzeug kämpfte gegen starke Winde und prasselnden Regen – etwas, das enorm viel Benzin verbraucht. «Dann war der Tank auf einmal fast leer. Mir blieb nur noch, im Belpmoos eine Notlandung mitten im Gewitter anzukündigen.» Seine Familie habe mitgezittert; er sei in totaler Schräglage angeflogen. «Die Feuerwehr stand schon mit laufendem Motor parat. Aber es ging alles gut.»

Was Chesley Sullenberger mit seiner Airbus vollbracht hat, bringt auch den möglichen Verwandten ins Schwärmen. «Ich bin begeistert von ihm. Genau wie ich hatte aber auch er einen grossen Schutzengel.» Vergleiche zwischen den beiden Sollbergern will der Pilot aber nicht zulassen: «Es ist übertrieben, dass man mich mit Sully vergleicht. Okay, wir haben beide graue Haare und einen Schnauz. Aber was der Mann geleistet hat, war Weltklasse.»

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