«Rede des Jahres 2011»Zieglers nie gehaltene Rede ausgezeichnet
Seine Eröffnungsrede der Salzburger Festspiele kann man nur auf Youtube sehen. Dennoch - oder gerade deshalb - gereicht sie Jean Ziegler zu Ruhm und Ehre. Rhetoriker wählten sie zur «Rede des Jahres 2011».
Jean Zieglers nicht gehaltene Rede zur Eröffnung der Salzburger Festspiele ist von Rhetorikern der Universität Tübingen als «Rede des Jahres 2011» ausgewählt worden. Der Genfer Soziologe richtet schwere Vorwürfe an Leiter von Grosskonzernen und -banken.
Der ehemalige UNO-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung macht in seinen Ausführungen unter anderem gewissenlose Akteure des Finanzkapitalismus für die Hungersnot in Ostafrika verantwortlich.
«An die Stelle einer festlichen, höchstens an manchen Stellen ein wenig nachdenklichen oder mahnenden Wohlfühlrede, wie sie oft genug gehalten wird, setzt Ziegler einen aufrüttelnden Appell, ja, eine Provokation», erklärte die Jury zur Preisvergabe.
Nachfolger von Benedikt XVI.
Der 77-Jährige war als Eröffnungsredner der Salzburger Festspiele zunächst ein- und dann wieder ausgeladen worden. Er veröffentlichte die Rede schliesslich im Videoportal YouTube.
Dadurch habe sie eine noch grössere öffentliche Wirkung entfaltet, als wenn sie in Salzburg gehalten worden wäre, lobte die Universität Tübingen am Mittwoch. Sie sei ein leidenschaftliches Plädoyer für den Kampf gegen die weltweite Hungersnot.
Mit der undotierten Auszeichnung würdigt das von Walter Jens gegründete Seminar für Allgemeine Rhetorik jedes Jahr eine Rede, die die politische, soziale oder kulturelle Diskussion entscheidend beeinflusst hat. Frühere Preisträger waren etwa Papst Benedikt XVI., SPD-Chef Sigmar Gabriel oder der Dramatiker Rolf Hochhuth. (sda)