Hoher Muslim verteidigt Steinigung

Aktualisiert

Hani RamadanHoher Muslim verteidigt Steinigung

Der Direktor des Islamischen Zentrums in Genf, Hani Ramadan, verteidigt die Steinigung von Frauen. Schweizer Politiker sind angewidert: Er müsse zurücktreten oder angezeigt werden.

hal
von
hal
Proteste gegen die Steinigung von Sakineh Mohammadi Ashtiani – rechts Hani Ramadan. (epa/key)

Proteste gegen die Steinigung von Sakineh Mohammadi Ashtiani – rechts Hani Ramadan. (epa/key)

Auf der ganzen Welt protes­tieren Menschen gegen das Schicksal von Sakineh Mohammadi Ashtiani. Die 43-Jährige wurde im Iran zum Tod durch Steinigung verurteilt. Nun verteidigt Hani Ramadan das barbarische Todesurteil: «Die ­Steinigung hat abschreckende Wirkung», sagt er zu «Le Matin». Sie sei insofern gerechtfertigt, als «diese Frau wegen Ehebruchs und Mordes verurteilt wurde».

Dass ein ausgebildeter Imam hierzulande unbehelligt die Steinigung verteidigen darf, ist für Politiker ein Skandal: «Was der Direktor des Islamischen Zentrums Genf macht, ist Aufhetzung. Er tritt alles, worauf

die Schweiz aufbaut, mit Füssen», sagt Philipp Müller (FDP). «Ich erwarte, dass die Behörden mit allen Mitteln gegen ihn vorgehen und ihn anzeigen.»

Oskar Freysinger (SVP) befürchtet, dass Ramadan seine Ansichten zur Steinigung auch lehren lässt: «Die Predigten an seinem Zentrum müssen genau kontrolliert werden. Es darf nicht sein, dass er seine radikalen Überzeugungen weiterverbreitet.» Notfalls solle man ihn beispielsweise mit einem Berufsverbot belegen. Freysinger: «Leider erlaubt es unsere Rechtsordnung nicht, dass man Ramadan den Schweizer Pass wegnimmt.»

Die SP setzt dagegen auf die Selbstkontrolle der muslimischen Gemeinde: «Ich hoffe, dass sie nun Druck macht, ­damit Ramadan zurücktritt», sagt Generalsekretär Thomas Christen.

Steinigung und Handabhacken als «göttliche Anweisung»

Schon 2002 hatte Hani Ramadan die Steinigung verteidigt und damit einen Skandal ausgelöst: Der Enkel des Gründers der extremistischen Muslimbrüderschaft bezeichnete damals gegenüber «Le Monde» die Steinigung von Ehebrecherinnen und das Handabhacken für Diebe als «göttliche Anweisung». Aids nannte der heute 51-Jährige die Strafe Gottes für «abweichendes Verhalten» vor allem von Homosexuellen. 2004 wurde Ramadan wegen seiner Aussagen als Französischlehrer an einer öffentlichen Schule in Genf entlassen – zu Unrecht, wie ein Gericht später entschied.

Deine Meinung zählt