Thai-König begnadigt Schweizer

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Thai-König begnadigt Schweizer

Er hatte im Vollrausch fünf Porträts des thailändischen Königs Bhumibol mit schwarzer Farbe übersprayt. Dafür wurde der 57-jährige Schweizer vor zwei Wochen zu 10 Jahren Thai-Knast verurteilt. Jetzt hat der König Gnade vor Recht ergehen lassen.

König Bhumibol Adulyadej habe den Mann vor einigen Tagen begnadigt, sagte der Staatsanwalt am Donnerstag. Der 57-Jährige befinde sich auf freiem Fuss und werde aus Thailand ausgewiesen. Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis in der nordthailändischen Stadt Chiang Mai wurde der Schweizer mit einer Polizeieskorte in die Hauptstadt Bangkok gebracht.

Dort sei er am Donnerstag Vertretern der Schweizer Botschaft übergeben worden, sagte ein Beamter der thailändischen Einwanderungsbehörde. Der Schweizer nehme um 23.15 Uhr (Ortszeit, 18.15 Uhr MESZ) einen Direktflug nach Zürich.

Am Abend bestätigte Jean-Philippe Jeannerat, Sprecher des Eidgenössischen Departementes für auswärtige Angelegenheiten (EDA), gegenüber der Nachrichtenagentur SDA, dass der Schweizer Thailand verlassen habe. Zuvor hatte Jeannerat gesagt, die thailändischen Behörden hätten die Schweiz um Mithilfe bei der Rückführung des Mannes ersucht.

Porträts besprüht

Der seit zehn Jahren im südostasiatischen Land lebende und mit einer Thailänderin verheiratete Schweizer hatte am 5. Dezember -dem königlichen Geburtstag - im Vollrausch fünf Porträts des Monarchen mit schwarzer Farbe besprüht. Dabei war er von Video-Kameras gefilmt worden.

Er wurde wegen fünf Fällen von Majestätsbeleidigung angeklagt und bekannte sich in allen Punkten der Anklage schuldig. Statt die Höchststrafe von 75 Jahren Haft zu verhängen, begnügte sich das Gericht am 29. März mit 20 Jahren. Wegen seines Schuldeingeständnisses wurde die Strafe um die Hälfte reduziert.

60-jähriges Thronjubiläum

Was den König zu seiner «Milde» gegenüber dem Schweizer bewegte, ist unbekannt. Allerdings hat Bhumibol eine besondere Beziehung zur Schweiz: Er verbrachte nach dem frühen Tod seines Vaters den grössten Teil seiner Kindheit und Jugend in Lausanne am Genfer See.

Der 79-Jährige feierte im Juni vergangenen Jahres sein 60- jähriges Thronjubiläum - kein anderer Monarch weltweit ist schon so lange im Amt. Von vielen seiner Landsleute wird er aufrichtig verehrt.

Sehr weitgehend ist er vor kritischen Worten geschützt. Das thailändische Recht erlaubt jedermann, sich wegen möglicher abschätziger Worte oder Handlungen gegen den Monarchen an die Polizei zu wenden. Viele Thailänder verzichten deswegen gänzlich darauf, sich in der Öffentlichkeit über ihren König zu äussern.

Auszug aus dem Dankesbrief:

«Ich bin für die begnadigung durch seine Mejestäet dem König vom ganzen Herzen. Ich bin überglücklich für seine Begnadigung und dass ich nach Hause darf. Ich bereue meine Tat aus ganzen Herzen. Ich entschuldige mich vom tiefsten Herzen, dass ich nach Hause darf in den ...»

(Es wurde nicht in den Text eingegriffen. Der Brief zeigt die emotionale Aufgewühltheit des freigelassenen Schweizers.)

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