Droht nun ein Extrem-Sommer?

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Heiss und trockenDroht nun ein Extrem-Sommer?

Das Jahr 2011 war bis jetzt in Sachen Wetter absolut ungewöhnlich. Klima-Historiker Christian Pfister erklärt, was für ein Sommer folgen könnte.

Felix Burch
von
Felix Burch
Im Hitzesommer 2003 sah es am Bodensee im Strandbad Arbon so aus. Wird der Sommer dieses Jahr noch extremer?

Im Hitzesommer 2003 sah es am Bodensee im Strandbad Arbon so aus. Wird der Sommer dieses Jahr noch extremer?

Es ist Frühling, die Temperaturen sind aber sommerlich. Bereits am ersten Aprilwochenende wurde die 25-Grad-Marke in der Schweiz geknackt. Spielt das Wetter verrückt? Was erwartet uns noch? Professor Doktor Christian Pfister leitete die Abteilung für Wirtschafts-, Sozial- und Umweltgeschichte an der Universität Bern bis 2009. Gegenwärtig ist er freier Forscher am Oeschger-Zentrum für Klima- und Klimafolgenforschung. Für 20 Minuten Online analysiert er die aktuelle Wetterlage.

Was für eine Wetterkonstellation durchleben wir gerade?

Christian Pfister: Januar bis März waren hochdruckbestimmt mit stark überdurchschnittlicher Besonnung und Temperaturen sowie unterdurchschnittlichen Niederschlägen. Die ersten zehn Tage des Aprils dürften laut Wetterprognosen weiterhin extrem überdurchschnittliche Temperaturen ohne Niederschlag bringen.

Gibt es vergleichbare Jahre?

Solche sind in den letzten 550 Jahren nicht einfach zu finden. Im Hitzesommer 2003 setzte die extreme Trockenperiode erst im Mai ein. Eine ähnliche Konstellation wie zurzeit gab es auch in der Periode Januar bis März 1990, desgleichen im Jahre 1822, dem wärmsten des 19. Jahrhunderts, sowie 1603, 1540 und 1473.

Wie war die Witterung damals?

1603 war der Winter extrem kalt mit Seegfrörnen. Im März setzte nach Beobachtungen des Luzerner Naturforschers Renward Cysar eine bis in den Sommer anhaltende, warme und trockene Witterung ein, die namentlich auch im Alpengebiet zu extremem Wassermangel führte – was sehr selten ist. Im Jahr 1473, dem wärmsten Jahr des letzten Jahrtausends, war es von Januar bis März gemessen an der frühen Kirschenblüte etwas wärmer und trockener, 1540 setzte die warm-trockene Witterung erst im März ein, dauerte dann aber wie 1473 bis zum Jahresende. Es gab Waldbrände, schlimmen Wassermangel, die Bäume verloren die Blätter früher als normal. Ein Chronist schrieb, im August 1473 hätten die Bäume ausgesehen wie sonst zu Weihnachten.

Was bedeutet die aktuelle Wärme für den kommenden Sommer?

Um diese Frage zu beantworten, müssten die verfügbaren klimahistorischen Informationen statistisch untersucht werden, was auf die Schnelle nicht möglich ist. Ich gehe davon aus, dass mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit eines Trockensommers gerechnet werden muss. Die üblicherweise zutreffenden jahreszeitlichen Prognosen von Meteo Schweiz haben die extreme Frühjahrswitterung richtig vorausgesagt. Auf die Sommerprognose dürfen wir gespannt sein.

Worauf müssen wir uns gefasst machen, wenn der Extrem-Sommer wirklich eintritt?

Im Unterschied zu 2003 hat die extreme warm-trockene Witterung bereits im Januar eingesetzt. Das bedeutet, dass die Dürre bei Eintreffen eines ähnlichen Witterungsverlaufs extremer als 2003 ausfallen würde.

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