GesetzesentwurfKondom-Knatsch auf den Philippinen
Die im Inselstaat einflussreiche katholische Kirche wettert lautstark gegen einen Gesetzesentwurf, der unter anderem die Verteilung von Verhütungsmitteln an die notleidende Bevölkerung vorsieht.

Die Debatte um die freie Verfügbarkeit von Kondomen erhitzt auf den Philippinen die Gemüter.
Auf den Philippinen wird der Streit über den freien Zugang zu Verhütungsmitteln jetzt im Parlament ausgetragen. Während die einflussreiche Katholische Kirche weiter gegen Sexualaufklärung in der Schule und die Nutzung von Kondomen wettert, will Präsident Benigno Aquino bei der Durchsetzung entsprechender Regelungen eigenen Angaben zufolge notfalls seine Exkommunikation in Kauf nehmen.
Der Gesetzentwurf zu neuen Bestimmungen bezüglich der reproduktiven Gesundheit wurde am Dienstag der Abgeordnetenkammer des Parlaments vorgelegt. Das im Land seit vielen Jahren heftig umstrittene Thema erreicht damit einen vorläufigen Höhepunkt. Vertreter der Kirche warnen vor einer Aufweichung moralischer Werte. Kritiker hingegen sehen in der Tabuisierung von Verhütungsmitteln einen der Hauptgründe für Überbevölkerung und Armut.
Das von Aquino befürwortete neue Gesetz würde die Regierung dazu verpflichten, Informationen zu Methoden der Familienplanung bereitzustellen, Verhütungsmittel kostenlos verfügbar zu machen und Sexualaufklärung als festen Unterrichtsstoff in Schulen einzuführen. Etwa ein Drittel der 94 Millionen Einwohner der Philippinen leben von weniger als einem Dollar pro Tag. Jüngste Umfragen haben gezeigt, dass eine deutliche Mehrheit der überwiegend katholischen Bevölkerung für die freie Verfügbarkeit von Verhütungsmitteln ist. (dapd)