VerwirrspielNaima erfand «Zwangsheirat» selber
Die Geschichte von der Zwangsheirat einer 14-Jährigen aus Egerkingen hat hohe Wellen geworfen. Nun ist klar: Das Mädchen mit indischen Wurzeln hat die Geschichte selber erfunden.
Die halbe Schweiz bangte mit der Kreisschule Gäu mit: Wurde tatsächlich eine Schülerin in den Frühlingsferien zwangsverheiratet? Am Montag kam die Entwarnung: Die 14-jährige Naima* kam wohlbehalten und unverheiratet zurück in die Schweiz. Offen blieb zunächst, wie es zur Geschichte der drohenden Zwangsheirat kommen konnte (20 Minuten Online berichtete).
Nun ist klar: Weder ein Mitschüler hat das Gerücht verbreitet, noch hat der Vater dem Mädchen mit der Zwangsheirat gedroht – die 14-Jährige erfand die Geschichte selber, schreibt zumindest der «Tages-Anzeiger». Er bezieht sich dabei auf den Schuldirektor Hanspeter Aebischer. Laut diesem habe man sich am Mittwoch zu einem klärenden Gespräch getroffen. Dabei habe sich gezeigt, dass in der Familie «eine Zwangsheirat nie auch nur annähernd ein Thema war».
«Besondere Drucksituation» war Auslöser
Tatsächlich sei «eine besondere Drucksituation der Schülerin Auslöser der ganzen Geschichte» gewesen. Das Mädchen habe der Klassenlehrerin erklärt, der Vater drohe sie bei schlechten Noten zu verheiraten. Die Lehrerin habe die Drohung ernst genommen und weitergeleitet.
Die Geschichte konnte aber nicht überprüft werden, weil die Familie während der Ferien in Indien nicht erreichbar war. Dennoch nahm der «Sonntag» die Sache auf -zahlreiche andere Medien folgten. Die Wogen dürften sich nun glätten: Das Mädchen hat gestern den Unterricht aufgenommen, wie der «Tages-Anzeiger» weiter berichtet. Sie habe sich bei ihrer Klasse und Lehrerin für die Geschichte entschuldigt. Das Mädchen erhält nun psychologische Unterstützung.
*Name geändert
(amc)