«Alle sind verdächtig, auch ich»

Aktualisiert

Connyland-Geschäftsführer«Alle sind verdächtig, auch ich»

Nach dem Tod zweier Delfine könnte das Connyland von einem anderen Delfinarium gratis Ersatz erhalten. Wer die Tiere vergiftet haben könnte, wird derzeit untersucht.

Annette Hirschberg
von
Annette Hirschberg

Nach dem tragischen Verlust von Shadow (8) und Chelmer (29) innert einer Woche bleiben dem Connyland nur noch drei Delfine: Chicky (26), Angel (6, im Connyland geboren) und Secret (6 Monate, im Connyland geboren). Ob die Anzahl Delfine reicht, um weiterhin Shows im Connyland zeigen zu können, will Erich Brandenberger, Geschäftsführer des Connylands, nicht sagen. «Die Shows sind im Moment nicht wichtig, im Vordergrund steht der Schutz der Tiere», sagt er gegenüber 20 Minuten Online. Eine private Sicherheitsfirma überwacht die Delfine nun rund um die Uhr.

Theoretisch könnte das Connyland über die European Association for Zoos and Aquarians (EAZA) einen neuen Delfin beantragen. Der Dachverband aller Zoos und Aquarien in Europa koordiniert die Zucht von Wildtieren und legt fest, welche Tiere aufgrund ihres Gen-Hintergrunds wohin kommen sollten. Dies soll die Inzucht in Zoos verhindern. «Nach einer Überprüfung der Haltungsbedingungen könnte das Connyland kostenfrei einen Delfin aus der Zucht eines anderen Zoos erhalten», erklärt der Pressesprecher des Zoos Duisburg, wo es ebenfalls ein Delfinarium gibt. Aufkommen müsste das Connyland nur für den Transport des Tieres in den eigenen Park.

«Am toten Delfin verdiene ich kein Geld»

Doch in Lipperswil will man darüber noch nicht nachdenken. Nebst dem Schutz der Delfine steht jetzt die Todesursache im Vordergrund. «Bevor wir an die Zukunft denken, müssen wir wissen, warum die beiden Delfine gestorben sind», sagt Brandenberger. Bereits am Montag hatte die Betreiberfamilie gemutmasst, dass die Aktionen der militanten Tierschützer einen «Gestörten» dazu veranlassten, die Tiere zu vergiften.

Die Tierschützer reagierten darauf wiederum mit heftigen Vorwürfen. Nebst der Haltung, stellten sie auch die Behandlungsmethoden in Frage und warfen dem Vergnügungspark vor, die Delfine selbst vergiftet zu haben, um Versicherungszahlungen zu erhalten. «Für solche Vorwürfe finde ich keine Worte», sagt Brandenberger. Die Delfine seien nicht versichert. «Geld kann ich mit einem toten Tier nicht verdienen.»

Blut, Urin und Gewebe wird untersucht

Wie es zu einer Vergiftung kommen konnte, kann Brandenberger nicht sagen. Die Frage, ob das Connyland einen Übeltäter in den eigenen Reihen habe, sei ihm schon unzählige Male gestellt worden. Für Brandenberger ist aber nur eins klar: Dass die Staatsanwaltschaft eine Untersuchung eröffnet hat. «Alle, die mit den Delfinen zu tun hatten, sind verdächtig - inklusive ich selbst», stellt er fest.

Staatsanwalt Patrick Müller sagte am Dienstag, es werde in alle Richtungen ermittelt. Und: Die beiden toten Delfine werden genau untersucht. «Es wird auch explizit nach Gift gesucht», sagte Müller.

Neben den toxikologischen Abklärungen von Blut, Gewebeproben, Urin und Mageninhalt der toten Delifne, werden auch das Wasser des Delfinbeckens und das Futter der Tiere in einem externen Labor untersucht. Ausserdem werden von der Polizei Mitarbeiter und Nachbarn des Connylands befragt.

Das Delfinarium hat derzeit Winterpause und ist geschlossen.

Deine Meinung zählt