«Antibiotika gehen eigentlich nicht ins Hirn»

Aktualisiert

Delfintod«Antibiotika gehen eigentlich nicht ins Hirn»

Die Connyland-Delfine sind durch ein Antibiotikum gestorben. Das ist das Resultat der Untersuchung. Ein Spezialist für tierärztliche Toxikologie hat jedoch seine Zweifel.

A. Hirschberg
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A. Hirschberg

Antibiotika sollen für den Tod der zwei Delfine Chelmers und Shadow verantwortlich sein. Können Antibiotika denn giftig sein?

Hermann Ammer*: Eigentlich gehen Antibiotika gar nicht ins Gehirn hoch und wirken darum auch nicht im Zentralen Nervensystem. Das verhindert die Blut-Hirn-Schranke, die bei Säugetieren sehr ausgeprägt ist.

Was ist eine Blut-Hirn-Schranke?

Unter normalen Bedingungen verhindert diese Schranke, dass Gifte und schädliche Substanzen ins Gehirn gelangen können. So wird es von vielen schädlichen Einflüssen geschützt. Das gilt natürlich nicht für alle gefährlichen Substanzen. Fettlösliche Stoffe wie Alkohol zum Beispiel können die Blut-Hirn-Schranke mühelos überwinden.

Aber Antibiotika normalerweise nicht?

Nein. Es gibt nur ganz wenige Antibiotika, die unter normalen Umständen die Blut-Hirn-Schranke überwinden können. Ist der Mensch oder das Tier schwer krank, kann diese Schranke aber aufgehoben sein. Zum Beispiel bei Bluthochdruck oder bei einer Hirnhaut-Entzündung könnte ein eingenommenes Antibiotikum ungehindert ins Hirn gelangen.

Sind Antibiotika dann giftig für unser Gehirn und können Schädigungen verursachen?

Ich bin mir nicht sicher, ob Antibiotika im Gehirn Schädigungen verursachen können. Lassen sich Antibiotika im Gehirn nachweisen, ist das aber sicher ein Anzeichen dafür, dass etwas nicht stimmt.

Könnte auch eine Vergiftung die Blut-Hirn-Schranke aufheben und so ein Antibiotikum ins Gehirn gelangen?

Korrosive Substanzen wie Metaldehyd, das im handelsüblichen Schneckenkorn enthalten ist, heben die Blut-Hirn-Schranke auf. Wird ein Tier mit so einer Substanz vergiftet, können alle Substanzen ungehindert ins Hirn gelangen, auch Antibiotika. Bei Delfinen sind derartige Vergiftungen allerdings unwahrscheinlich, da die Giftstoffe gezielt dem Futter beigemischt werden müssten.

* Hermann Ammer ist Professor am Institut für Pharmakologie, Toxikologie und Pharmazie der Veterinärmedizinischen Fakultät der Maximilian-Universität in München.

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