«Die Briefbombe sollte töten»

Aktualisiert

Der Anschlag von Olten«Die Briefbombe sollte töten»

Die Bundesanwaltschaft hat ein Bekennerschreiben gefunden. Urheber der Bombe gegen Swissnuclear ist demnach eine linksextreme Gruppierung. Dass die Opfer noch leben, sei Zufall.

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Zum Anschlag gegen die AKW-Lobby Swissnuclear hat sich die anarchistische Gruppierung FAI bekannt, teilte Carlo Bulletti, Leitender Staatsanwalt des Bundes, an einer Medienorientierung mit. «Das Bekennerschreiben lag feinsäuberlich verpackt den Überresten der Briefbombe bei.» Das Schreiben ist auf Italienisch verfasst. Es sei darin die Rede von Freiheit und anderen Gesellschaftsformen, die nötig seien. Näher wollte Bulletti allerdings nicht darauf eingehen. «Wir wollen diesen Leuten keine Plattform bieten.»

Die Briefbombe sei nicht zufällig an die Swissnuclear gegangen. Wieso die Anarchisten gerade den AKW-Verband als Ziel aussuchten, erörterte Bulletti nicht näher. Hinweise, dass auch anarchistischen Kreise aus der Schweiz in den Anschlag von Olten verwickelt sein könnten, gebe es derzeit nicht. Eine Verbindung könne aber auch nicht ausgeschlossen werden. «Das Paket wurde in Italien aufgegeben», so Bulletti.

«Opfer ist nur aus Zufall noch am Leben»

Der Anschlag hat die Behörden offenbar nicht überrascht, wie Bulletti an der Medienkonferenz erklärte. Es habe Vorinformationen vom 29. März gegeben, nach denen drei Bomben versendet würden. Die Bundesanwaltschaft geht davon aus, dass die Sendungen an die Armee in Italien und einen Gefängnisdirektor in Griechenland die ersten beiden waren. «Die dritte Bombe dürfte nun die in Olten sein», so Bulletti. Während in Griechenland die Sendungen abgefangen werden konnten, wurden in Italien ein Fallschirmjäger und in der Schweiz zwei Angestellte des AKW-Verbandes Swissnuclear verletzt. Die FAI bekannte sich zu allen drei Anschlägen.

Die Bombe hatte eine grosse Sprengkraft, sagte der erste stellvertretende Bundesanwalt, Ruedi Montanari: «Im Bereich des politischen Terrorismus waren wir noch nie mit einer solchen Sprengwirkung konfrontiert.» Die Detonation habe eine massive Tischplatte, Deckenleuchten und die Deckenplatten darüber zerstört sowie das Zimmer massiv verwüstet (siehe Bildstrecke). «Die Frau ist nur aus Zufall noch am Leben», sagte Bulletti. «Die Absicht ist nicht gewesen, jemandem Angst zu machen, sondern zu töten», so der Staatsanwalt vor den Medien weiter. Welche Art von Sprengstoff für den Anschlag verwendet worden war, konnte Bulletti noch nicht sagen. Dafür müssten die Ergebnisse der wissenschaftlichen Untersuchungen abgewartet werden. «Es handelte sich aber um einen schnell zündenden Sprengstoff.»

FAI hat 300 Mitglieder

Die linksextreme Täterschaft stammt gemäss Bulletti aus dem gleichen Umfeld wie jene des versuchten Anschlags in Rüschlikon auf ein IBM-Forschungszentrum vor rund einem Jahr. Die drei Personen waren damals verhaftet worden und sitzen zurzeit in Untersuchungshaft. Sie wurden auch im Bekennerschreiben der FAI erwähnt.

Die «Federazione Anarchica Informale» (FAI) hatte bereits Ende Dezember 2010 Briefbomben an die Botschaften Chiles und der Schweiz in Rom geschickt. Damals waren zwei Personen verletzt worden. Die italienischen Ermittlungsbehörden gehen seit längerem davon aus, dass zwischen der FAI und ähnlich orientierten Gruppen in Griechenland und in Spanien Verbindungen bestehen. Die FAI ist erstmals 2003 hervorgetreten, als sich Bomben gegen Ex-Premier Romano Prodi, damals EU-Kommissionspräsident, richteten. 2005 explodierten weitere Paketbomben in Polizeistationen, 2009 wurde eine Bombe an der Universität in Mailand gefunden. Bisher gab es dabei nie Verletzte.

Die Polizei glaubt, dass die Gruppe ungefähr 300 Anhänger hat. Die «Federazione Anarchica Italiana» protestierte unterdessen gegen die Verwendung ihres gleichlautenden Kürzels. Diese Gruppe, die schon seit 1945 besteht, distanzierte sich auf ihrer Webseite von den Anschlägen. Ihre Instrumente seien vielmehr Konfrontation auf den Strassen, soziale Kämpfe und gewerkschaftliche Selbstorganisation.

«Es bestand die Absicht zu töten»: Verfahrensleiter Carlo Bulletti an der Medienkonferenz der BA über die Briefbombe

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