Holdings zahlen praktisch keine Steuern mehr

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Holdings zahlen praktisch keine Steuern mehr

Der Steuerwettbewerb zwischen den Kantonen drückt die Kapitalsteuern für Unternehmen immer tiefer. Die Konsequenz: Die in der Schweiz sowieso schon privilegierten Holdinggesellschaften zahlen vielerorts praktisch keine Kantonssteuern mehr.

Die tiefen Holdingsteuern in der Schweiz verärgern seit längerer Zeit die EU. Für die EU-Kommission verstossen die Privilegien gegen das Freihandelsabkommen von 1972. In der Schweiz entfällt die Gewinnsteuer für Holdings, da sie hier nur Kapitalbeteiligungen verwalten, ihren Gewinn aber im Ausland machen.

Dagegen müssen die Kantone von Gesetzes wegen eine Kapitalsteuer erheben. Diese belief sich bisher üblicherweise auf einige Promille. Seit zwei Jahren aber überbieten sich die Kantone mit Steuersenkungen. Mittlerweile sind die Steuersätze teils so tief, dass viele Gesellschaften vom Fiskus praktisch nicht mehr belangt werden.

0,01 Promille

Der Kanton Luzern etwa verlangt seit dem Jahr 2005 bloss noch 0,01 Promille Kapitalsteuer von Holdinggesellschaften. 2006 zog Obwalden nach - und auf Anfang dieses Jahres Uri. Auch die Kantone Appenzell-Innerrhoden und Schwyz haben sehr tiefe Steuersätze festgelegt.

Der Urner Steueramtsvorsteher Fortunat von Planta betont, dass für die Kantone die Ansiedelung von Holdinggesellschaften immer noch interessant sei, auch wenn sie keine kantonalen Steuern mehr bezahlten. Einerseits beschäftigten sie meist hoch qualifiziertes Personal. Andererseits zahlten die Holdings direkte Bundessteuern, die teils an die Kantone zurückflössen.

Kapitalsteuer vor dem Aus

Die Abwärtsspirale bei der Kapitalsteuer scheint kaum zu stoppen- nicht nur bei den Holdinggesellschaften. Die Kapitalsteuer werde in der Schweiz ganz verschwinden, sagt Kurt Stalder, der Sekretär der Konferenz der Kantonalen Finanzdirektoren - spätestens, wenn das neue Unternehmenssteuergesetz in Kraft trete.

Dieses sieht vor, dass die Kantone die Kapitalsteuer für alle Firmen an die Gewinnsteuer anrechnen dürfen. Obwohl die Linke mit dem Referendum gegen die Unternehmenssteuerreform droht, haben sich Kantone wie St. Gallen und Aargau mit kantonalen Gesetzen bereits auf die Inkraftsetzung vorbereitet.

Gebremste Wirtschaft

Die Kapitalsteuer bremse das Ansammeln von Kapital und damit die Entwicklung der Wirtschaft, sagt Stalder. Diese Steuer existiere im Übrigen bei den Nachbarländern der Schweiz nicht mehr. «Es wäre nicht richtig, sie bei uns beizubehalten.»

Die Kantone verlören mit der Abschaffung der Kapitalsteuer nur «wenig Geld», sagt Stalder. Insgesamt bringe diese Steuer ihnen jedes Jahr etwa 700 Millionen Franken ein - gegenüber rund 10 Milliarden Gewinnsteuern der Unternehmen. (sda)

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