Schon 70 Soldaten betroffenArmee unterschätzte Zecken-Gefahr
Ein Oberstleutnant rekognoszierte zusammen mit Experten das Waldstück, bevor er die Soldaten ins Gebüsch schickte. Trotzdem sind mittlerweile bereits bei 70 Soldaten Zeckenstiche entdeckt worden. Drei Armeeangehörige hatten sich geweigert, an der Übung mitzumachen – vergeblich.
Mit einem Arzt und einem Förster an seiner Seite streift der Oberstleutnant durch das Waldstück im zürcherischen Ossingen. Ziel dieser Aufklärungsmission: Aufspüren von feindlichen Zecken. Die Experten kämpfen sich durch das Unterholz und entscheiden schlussendlich, die Übung mit Auflagen zu Genehmigen. Die Soldaten müssen die Kleider geschlossen tragen und Insektenmittel einsprayen.
WK geht normal weiter
Doch die Vorsichtsmassnahme genügte offensichtlich nicht: 70 Soldaten sind von den fiesen Zecken gestochen worden. Dies erklärte Armeesprecher Christoph Brunner auf Anfrage von 20 Minuten Online. Er bedauert den Vorfall: «Jeder Stich ist einer zu viel.» Laut Brunner gehe es den betroffenen Soldaten so weit so gut. Es sei bisher niemand erkrankt. Der WK gehe normal weiter. Da die Inkubationszeit mehrere Wochen betragen könne, stünden die Soldaten unter ärztlicher Beobachtung.
Armee warnt Soldaten
In einem Informationsanlass wird die Armee am Freitag Nachmittag alle 240 WK-Soldaten über die Zecken-Gefahr aufklären: «Wir rufen die Soldaten auf, im Wochenendurlaub auch beim kleinsten Unwohlsein einen Arzt aufzusuchen», erklärt Brunner.
Lebensgefährliche Zecken
Dies ist angebracht: Denn aus einem auf den ersten Blick harmlosen Zeckenstich kann sich eine lebensgefährliche Krankheit entwickeln: An der Zeckenenzephalitis oder Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) sind 2007 in der Schweiz 111 Menschen erkrankt. Fast alle von ihnen wurden hospitalisiert, ein betagter Mann starb an der Viruskrankheit.
Weit häufiger als diese übertragen die Zecken mit ihren Stichen aber die Lyme-Borreliose. Die Bakterienkrankheit befällt Haut, Gelenke, Muskeln, Bänder, Nervensystem und Herz. Borreliose kann mit Antibiotika behandelt werden, eine Impfung gibt es aber nicht. Nach Schätzungen des BAG stecken sich jährlich rund 3000 Personen mit Borreliose an.