Politiker werfen SF Lügen und Zensur vor

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«Tatort»Politiker werfen SF Lügen und Zensur vor

Der Schweizer «Tatort» wurde offenbar nicht wegen fehlender Spannung oder zu vielen Klischees überarbeitet, sondern weil die SVP in der Originalversion schlecht wegkam. Politiker sind empört.

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SF ist wegen «Tatort» mit Stefan Gubser im Visier der Politiker.

SF ist wegen «Tatort» mit Stefan Gubser im Visier der Politiker.

«Politiker, rechter Rand, unterste Schublade», so wird Josef Ebnöter im Schweizer Tatort beschrieben. Der Politiker spricht im Film wie ein SVPler, erinnert an Christoph Blocher – und erhielt in der neuen Version des «Tatorts» einen Maulkorb. Laut der «NZZ am Sonntag» ist die sieben­minütige Szene mit Ebnöter die einzige, die wirklich geändert wurde. Dies, obwohl SF-Kulturchefin Nathalie Wappler die Überarbeitung bisher mit fehlender Spannung, ungenügender Schauspielleistung oder zu vielen «plumpen Schweizer Klischees» begründete.

SF-Sprecher Martin Reichlin bestätigt, dass an der Politiker-Szene am meisten gefeilt wurde, wehrt sich aber gegen den Vorwurf der Zensur: «Die Sequenz im Haus von Ebnöter war voller Klischees wie Kuhglocken, Hellebarden und Schweizerfahne an der Wand. Frau Wappler wollte nicht, dass die Figur zur Karikatur wird.» Zudem habe die ARD verlangt, dass die Synchronisation für Deutschland überarbeitet wird.

Für Politiker sind das nichts als Ausflüchte: «SF hat hier präventiv einem möglichen Druck der Rechten nachgegeben», kritisiert SP-Nationalrätin Susanne Leutenegger-Oberholzer. Die SVP-Nationalräte Felix Müri und Natalie Rickli sprechen sogar von Lüge: «Zuerst sagt SF offensichtlich nicht die Wahrheit. Und dann verschleudert es Gebührengelder, um etwas zu vertuschen», so Rickli. SF hätte schon beim Drehbuch die Notbremse ziehen müssen, statt 100 000 Franken für die Überarbeitung auszugeben, ergänzt Müri. Für Rickli ist klar, wo man das Geld herholen sollte: «Man müsste die Kosten der SF-Chefetage vom Lohn abziehen.» (hal/20 Minuten)

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