Wegen ihrer Memoiren: Maulkorb für Del Ponte
Die Memoiren
der ehemaligen
Uno-Chefanklägerin
Carla del Ponte sind zu
explosiv. Das EDA hat
ihr einen Maulkorb
erteilt und jede aktive
Werbung untersagt.
«Wir danken Ihnen für die rasche Rückkehr nach Buenos Aires» – der Fax, den der Chefdiplomat Martin Dahinden letzten Samstag an Carla del Ponte schickte, könnte deutlicher nicht sein: Das Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) ist nicht glücklich über das Kriegsverbrecher-Skandalbuch der ehemaligen Chefanklägerin des Uno-Tribunals in Den Haag und heutigen Botschafterin in Argentinien. Es hat deshalb Del Ponte in letzter Minute die Teilnahme an der auf gestern geplanten Präsentation ihres Buchs in Mailand untersagt. Die Vernissage in Lugano von heute fällt genauso aus wie zahlreiche Interviews mit internationaler Presse.
Am liebsten hätte Bern das Buch ganz verboten: «Wäre es während Ihrer Zeit als Missionschefin entstanden, hätten wir es nicht autorisieren können», schreibt Dahinden weiter. Grund: «Es enthält Aussagen, die von einer Schweizer Regierungsvertreterin nicht gemacht werden können.»
Auf Italienisch ist «Die Jagd – Ich und die Kriegsverbrecher» bereits seit Anfang April erhältlich. Die deutsche Version lässt auf sich warten: Sie erscheint bei Fischer und ist erst auf Frühling 2009 geplant.
Organhandel und Hurensöhne
Die heftigsten Reaktionen auf Del Pontes Buch kamen aus dem Kosovo und aus Kroatien: So äusserte Del Ponte den Verdacht, die Kosovo-Befreiungsarmee UCK habe im Sommer 1999 rund 300 Serben verschleppt und ihnen Organe für den Weiterverkauf entnommen. Laut Presseberichten stammt auch der Satz «Die Serben sind Hurensöhne, die Kroaten sind niederträchtige Hurensöhne», aus Del Pontes Buch. Die serbische Regierung hat ebenfalls gegen die Veröffentlichung protestiert.